Der Liebe zartes Band
Im einen Du, im andern ich,
zwei Räume, eine Wand;
dazwischen eine Tür, die schweigt;
sie läßt uns unerkannt.
Ich klopfe an, Du rührst Dich nicht,
Du fürchtest ein Gefühl.
Und dennoch gebe ich nicht auf;
die Liebe ist mein Ziel.
Daß keine Antwort mich erreicht,
läßt mich nicht mutlos sein.
Es ist Dein Recht, warum auch nicht,
das sehe ich wohl ein.
Die Liebe aber, wenn sie echt,
strebt nicht nach Reaktion,
sie liebt und fragt dabei auch nicht
nach einem Gegenlohn.
Sie nimmt nur wahr und öffnet sich,
empfindet ohne Zwang.
Sie wendet sich dem andern zu
und läßt ihm seinen Gang.
Mit Achtsamkeit und Zärtlichkeit,
bedingungslos im Ja,
genügt sie sich und gibt sich selbst
und ist ganz einfach da.
So klopf´ ich an ein zweites Mal,
und diesmal öffnest Du
die Tür um einen kleinen Spalt
und machst sie nicht mehr zu.
Der Spalt reicht aus, die Liebe strömt
durch ihn hindurch zu Dir,
wie milder, frischer Frühlingswind
und wie ein Gruß von mir.
Im einen Du, im andern ich,
zwei Räume, eine Wand,
und eine Tür, durch die sich zieht
der Liebe zartes Band.
