Wer weiß?

.

Wer weiß, wohin Dich Deine Welt entführt?

Wie unbemerkt die Angst Dich tief berührt?

Und ob es uns zu wissen je gebührt,

was ungerührt

erspürt?

.

Wer weiß, wie tief Dein Blick ins Heute dringt?

Wie starr die Seele mit dem Gestern ringt?

Und ob Dir Nähe noch ein Trösten bringt,

ein Wort gelingt?

Verklingt?

.

Es ahnt sich mir ein enger Nebelkreis.

Und doch erspürt sich ein Vertrauen leis.

Erkennen schwindet selten auf Geheiß.

Zerschmilzt das Eis?

Wer weiß?

.

^^^ ­

Spreu oder Weizen

Die Lebenszeit, ob kurz, ob lang

entscheidet auch im letzten Gang

die Früchte, die wir tragen.

Es liegt am Wollen, welche Frucht

das Leben birgt - die Gottes-Flucht?

Der Schöpfer wird uns fragen.

 

Die Ernte des Getreides zeigt

Geheimes, das der Mensch verschweigt.

Die Schaufel liegt in Händen.

Geworfelt wird´s Getreide schon.

Der Wind, er trägt die Spreu davon.

Sie läßt sich nicht verwenden.

 

Das Unkraut wächst dazwischen zwar;

der Wind enttarnte, denn es war

zuletzt zu leicht befunden.

Die echte Frucht, sie hat Bestand.

Des Weizens Wert ist schnell erkannt.

Die Schwere wird´s bekunden.

 

Gereinigt wird die Tenne dann,

in der sich Spreu nicht sammeln kann.

Sie muß im Feuer brennen.

Und diese Flammen löschen nicht,

die Tragik, von der Jesus spricht.

Denn Er wird beide trennen.

 

 

frei nach: Mt. 3, 12 „Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“

 

 

^^^ ­

Der Schächer

Die letzte Nacht - gefangen -

er wachte voller Not.

Er kannte sein Verbrechen

und fürchtete den Tod.

Er wußte, seine Strafe

zu sterben, war gerecht.

Er sah die Übeltaten,

erkannte sich als Knecht

der Sünde, die ihn quälte.

Die Angst, sie hielt ihn fest,

umklammerte die Seele,

die sich nicht täuschen läßt.

 

Er hört´ des Wächter´s Schritte.

Die Zelle sperrt er auf.

„Komm´ raus, Du Missetäter!

Und nimm´ Dein Leid in Kauf!

Du hast es selbst verschuldet!

Drum trag´ Dein Kreuz zurecht!

Die Schädelstätte wartet!

Denn heute geht´s Dir schlecht!“

 

„Man“ schleppte ihn nach draußen,

verpeitschte ihn auf´s Blut.

„Man“ zwang ihn, Kreuz zu tragen

und schrie mit hohem Mut.

Mit letzter Kraft und Mühe

ertrug er seinen Gang.

Im Taumel seiner Ängste

erreichte er den Hang,

der Ohnmacht fast erlegen.

Die Menge folgte nach,

ihn grölend zu verspotten

in seiner tiefsten Schmach.

 

Der Täter ward zum Opfer

der Herde voller Haß.

Die Geier lechzten gierig

nach ihrem Heuchler-Fraß.

Sie schlugen ihn mit Nägeln

ans Holz des Hohnes fest.

Der Schächer schwieg in Schande,

behandelt wie die Pest.

 

Im Schwindel seines Ringens

erblickte er den Mann,

der neben ihm gekreuzigt,

und sah Ihn fragend an.

Denn über Seinem Kreuze

ersah er Klagegrund.

Es stand: „Der Juden König“.

Die Inschrift tat es kund.

 

„Du läßt uns Pein ertragen,

obwohl Du König bist?!

Befrei´ uns von den Banden,

wenn wirklich dem so ist!“

Er hört´ sich selber spotten,

und spürte Reue schon.

Er war ja der Verbrecher,

der and´re Gottes Sohn.

 

Und Jesus schaut´ erbarmend

dem Schächer ins Gesicht.

Er konnt´ dem Blick nicht weichen,

entzog sich diesem nicht.

Der Blick, er fiel ins Tiefste

der Seele, die sich quält.

Er sah die Gräueltaten,

sich selber aufgezählt.

Die Gnade jener Augen,

sie trafen ihn ins Herz.

Er rang um letzte Chance

in all dem Höllen-Schmerz.

 

„Vergib es ihnen, Vater!“

So rief der Heiland laut.

„Sie wissen es nicht besser,

was sie zu tun getraut.“

Die Menge - wie besessen -

sie schrie vor Wut und Zorn.

Der Schächer zu der Linken,

er blies ins selbe Horn.

 

Da wußte der zur Rechten:

Der Mann trägt keine Schuld.

Es war die Schuld der Menge.

Er trug sie voller Huld

und voll der Vater-Gnade,

die sich als Opfer gibt,

die all Sünden-Kinder,

aus tiefstem Herzen liebt.

 

Sie haßten all das Böse,

das selber sie getan.

Ihr eig´nes Schulden-Leben,

es hing am Kreuze an.

Der Schächer - voller Reue -

er rief dem Andern zu.

„Du wirst uns beide richten,

der Fluch gibt keine Ruh´!

Der Mann ist ein Gerechter!

Die Sünder sind doch WIR!

Wir ernten, was wir säten

in unserm Leben hier!

Der Mann ist ohne Sünden!

Er hat für uns gesühnt!

Die Strafe Seiner Qualen,

die haben WIR verdient!“

 

Im letzten Sterbensringen

erhob er sein Gesicht.

„Gedenke mein, Herr Jesus,

bei Deinem Thron-Gericht.

Und Jesu reine Güte,

sie drang in sein Verlies.

„Noch heute gehst Du mit mir

hinein ins Paradies.“

 

Der Schächer wurde stille,

bei all der Menge Hohn.

Er glaubte dem Versprechen

von Jesus, Gottes Sohn.

Und starb an Seiner Seite,

dem Paradies so nah.

Erfuhr das größte Wunder,

am Kreuz auf Golgatha.

 

 

^^^ ­