herbstflüchtig - Sonett
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Es will ein Hauch von Herbst ins Hoffen ziehen,
als wehte schon ein wandermüdes Winken,
im Nebel wankend jungen Wein zu trinken,
den scheuen Schattenblicken zu entfliehen.
Und wäre nicht der Wunsch im Sturm gediehen,
im Blätterbangen dankbar zu versinken,
anstatt dem Sehnen weiter nachzuhinken,
so hätte weher Mut sein Glück verliehen,
gemütbetrübend Spuren zu verwischen,
sich wankelmütig wagend abzufinden,
bevor die welken Gräser ganz ergrauen,
Vergänglichkeiten flüchtig aufzufrischen,
die längst sich sterbend schon im Staube winden.
Ach, könnten sie der Zuversicht vertrauen!
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Du hast die Wahl
Es läßt auch dieses Heut´ sich nicht beenden,
wenngleich die Sorgenbürde sich bemüht
voran zu hoffen, ob und was geschieht,
als könnte Ungeduld mit bloßen Händen
die Berge all der Fragen tatersteigen,
wo kein Entgegnen sich dem Abend beugt,
ein Ende all der Mühen sich verschweigt,
dem Tag ein Licht auf Morgen nicht zu zeigen.
Und ob die Waage sich zum Zagen trauert,
die Sorgenschale sich gefüllt bedauert,
den Grund zum Dank - erkannt - nicht mitzuwiegen,
es wird an Dir und Deinem Trotzdem liegen.
Ein Dankeswort will Mauern überfliegen,
daß Sorge nicht allein im Innern kauert...
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Dank oder Klage - Lebensfrage
Apfelbäumchen schluchzte bitter: „Warum steh´ ich g´rade HIER
neben dieser Klagemauer. Alle Sicht verbaut sie mir!
Fühl´ mich eingeengt, gefangen hinter ihrem Schutz aus Stein.“
Apfelbäumchen durfte klagen, denn es sah noch gar nicht ein,
daß die Klagemauer schütze vor dem Hagel, vor dem Wind.
Manche wachsen nur von außen, bleiben innen oft ein Kind.
Wollen gern beachtet werden ohne Klagemauerschutz.
Denken nicht an die Gefahren, nur an ihren Außenputz.
Fühlen sich oft schwach und wertlos, fruchtlos, nutzlos, hilflos, klein.
Wollen groß sein, Früchte tragen, ohne strengen Schutz aus Stein.
Sehen keinen Sinn im Wachsen, Dankbarkeit, sie fehlte ja
für die Sicherheit der Mauer, die das Bäumchen nicht so sah.
Apfelbäumchen wurde älter, wuchs heran zum großen Baum.
Überwuchs die Klagemauer. Diese hatte keinen Raum,
denn sie bröckelte im Alter. Bäumchen überragte sie.
Doch es blieb bei seinen Klagen, denn es wußte nicht mehr wie
es die vielen, schweren Früchte tragen sollte, ganz allein.
War es nicht sein sehnlichst´ Wünschen, einmal groß und stark zu sein?!
Schnell zu wachsen, Frucht zu tragen? Nur, die Frucht, sie schmeckte nicht.
Außerdem: Die Mauer fehlte, und nun blendete das Licht.
Sah den Sinn des Früchtetragens für sein Dasein gar nicht ein.
Denn die Dankbarkeit, sie fehlte. Nun beklagte es den Stein,
der es oft vor Stürmen schützte. Früchte waren ihm nur Last.
Statt die Früchte zu verschenken, blieb die Klage Dauergast.
Murren, Klagen von der Wiege bis zur Bahre ohne Dank.
Macht nicht nur ein Apfelbäumchen, sondern manchen Menschen krank.
Jeder bekommt im Leben seinen Platz zugewiesen, auf dem er vor Situationen gestellt wird, über deren Umstände er zur Klage oder aber zum Dank anheben kann. Der Blickwinkel auf die jeweiligen Lebensumstände sowie die -> Verantwortungsbereitschaft werden wohl am meisten dazu beitragen, wofür sich der jeweilige Mensch entscheidet: Für den Dank und die Frucht, die er mitsamt seinen ihm zugeteilten (Auf-)Gaben und der dazu gehörenden Verantwortung tragen DARF oder eben für die Anklage, diese Frucht tragen zu müssen. Die einen machen das beste aus den Situationen, in denen sie sich auf den verschiedenen Lebensabschnitten wiederfinden, die andern klagen bis zuletzt alles und jeden im Leben an, weil sie keinen Grund finden WOLLEN, für das, was ihnen an Gaben, Auf-Gaben, Verantwortung, Früchten, Schutz etc. im Leben zugeteilt und geschenkt wurde. -
Ein Grund zum Klagen läßt sich immer finden - ein Grund zur Dankbarkeit auch! - Die Entscheidung liegt bei jedem selbst, ob er sein Leben entweder dankbar oder klagend mit Sinn oder Sinn-Los-igkeit füllt.
Maler mit Humor
Schmunzelnd kam er von der Quelle, die sich Kummerquelle nennt.
Zählte dort die heit´ren Stunden, die das Leben ihm vergönnt.
Traurigkeit, sie saß daneben, Ernst als dritter in dem Bund,
und dahinter, in der Ecke, tat sich Glauben schweigend kund.
Aus der Quelle rannen Tränen - still - das Weinen klang wie Trost.
Doch die heit´ren Lebensstunden, wurden eisern ausgelost.
Und er legt´ sie in ein Bündel, dessen Last ihn nie gebeugt.
Denn es wurde mitgetragen, von Geduld, die das bezeugt.
Alles nahm er, wie gegeben, weise war der Maler stet.
Niemand hört´ ihn je belehren, denn sein Leben war Gebet.
Keinen tat er je verbessern, denn er war bescheiden, klug.
Hatte immer gute Worte für die andern und ertrug
manche Zeiten tiefen Leidens, überwand sie, weil das Glück,
als sein treuer Wegbegleiter, gab ihm Freude bald zurück.
Wo die andern ernst sich nahmen, nahm er gern sich auf den Arm.
Denn die Gabe seines Herzens, hielt des Maler´s Seele warm.
Er durchschaute alle Dinge, so als wären sie aus Glas.
Dabei legt´ er an sich selber, nie an andere das Maß.
Er war frei in seinem Geiste. Phantasie, sie gab ihm Kraft.
Und er hat in tiefsten Stunden oft das größte Werk geschafft.
Seine Gabe war erhaben, souveräner als Vernunft.
Und sie gab so manchem Zweifeln eine bergend´ Unterkunft.
Manchmal hatt´ er nichts zu lachen, doch er tat es trotzdem, g´rad.
And´re damit anzustecken, war ihm niemals je zu fad.
Die Musik in seinen Farben, wie ein Leuchten klingt sie leis´.
Denn der Maler des Humores wurde niemals je ein Greis.
Er bewahrte sich das Kinde, das so unbefangen lacht.
Damit hat er vielen Menschen bunte Freude oft gemacht.
Sonnenschein in seinen Farben weckten Wärme, bargen Licht.
Und die überwund´nen Sorgen zählte weiser Maler nicht.
Herzensgüte, Nächstenliebe lebte er im Leben vor,
Seine Werke können schmunzeln, weil Humor er nie verlor...
Mi Abuelo war mein Opa. Manches hat er mich gelehrt.
Seine Bilder bergen Lächeln, Traurigkeit, die unbeschwert.
