Gnadenzeit
Steh auf, mein Kind, bevor die Lerchen singen.
Der Tag erwacht. Wie göttlich glänzt sein Kleid,
als wärs geschaffen für die Ewigkeit.
Ein Flüchtigweilen wohnt in allen Dingen.
Noch darf das Lied der Freude hell erklingen.
Komm mit, mein Kind, denn noch ist Gnadenzeit!
Wirf ab der Sorge Last und sei bereit,
an Gottes Hand ins Heut hinein zu springen.
Was suchst Du Ungewisses zu ergründen?
Wer zweifelt, stolpert. Aufrecht sei Dein Gang!
Das Herz verwintert, wenn´s verzagt ergraut.
Von Hoffnung soll Dein Blick ins Morgen künden.
Entsinne Dich der Lerchen Lobgesang.
Wohl dem, der sich dem Höchsten anvertraut!
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herbstflüchtig - Sonett
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Es will ein Hauch von Herbst ins Hoffen ziehen,
als wehte schon ein wandermüdes Winken,
im Nebel wankend jungen Wein zu trinken,
den scheuen Schattenblicken zu entfliehen.
Und wäre nicht der Wunsch im Sturm gediehen,
im Blätterbangen dankbar zu versinken,
anstatt dem Sehnen weiter nachzuhinken,
so hätte weher Mut sein Glück verliehen,
gemütbetrübend Spuren zu verwischen,
sich wankelmütig wagend abzufinden,
bevor die welken Gräser ganz ergrauen,
Vergänglichkeiten flüchtig aufzufrischen,
die längst sich sterbend schon im Staube winden.
Ach, könnten sie der Zuversicht vertrauen!
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Du hast die Wahl
Es läßt auch dieses Heut´ sich nicht beenden,
wenngleich die Sorgenbürde sich bemüht
voran zu hoffen, ob und was geschieht,
als könnte Ungeduld mit bloßen Händen
die Berge all der Fragen tatersteigen,
wo kein Entgegnen sich dem Abend beugt,
ein Ende all der Mühen sich verschweigt,
dem Tag ein Licht auf Morgen nicht zu zeigen.
Und ob die Waage sich zum Zagen trauert,
die Sorgenschale sich gefüllt bedauert,
den Grund zum Dank - erkannt - nicht mitzuwiegen,
es wird an Dir und Deinem Trotzdem liegen.
Ein Dankeswort will Mauern überfliegen,
daß Sorge nicht allein im Innern kauert...
Maler mit Humor
Schmunzelnd kam er von der Quelle, die sich Kummerquelle nennt.
Zählte dort die heit´ren Stunden, die das Leben ihm vergönnt.
Traurigkeit, sie saß daneben, Ernst als dritter in dem Bund,
und dahinter, in der Ecke, tat sich Glauben schweigend kund.
Aus der Quelle rannen Tränen - still - das Weinen klang wie Trost.
Doch die heit´ren Lebensstunden, wurden eisern ausgelost.
Und er legt´ sie in ein Bündel, dessen Last ihn nie gebeugt.
Denn es wurde mitgetragen, von Geduld, die das bezeugt.
Alles nahm er, wie gegeben, weise war der Maler stet.
Niemand hört´ ihn je belehren, denn sein Leben war Gebet.
Keinen tat er je verbessern, denn er war bescheiden, klug.
Hatte immer gute Worte für die andern und ertrug
manche Zeiten tiefen Leidens, überwand sie, weil das Glück,
als sein treuer Wegbegleiter, gab ihm Freude bald zurück.
Wo die andern ernst sich nahmen, nahm er gern sich auf den Arm.
Denn die Gabe seines Herzens, hielt des Maler´s Seele warm.
Er durchschaute alle Dinge, so als wären sie aus Glas.
Dabei legt´ er an sich selber, nie an andere das Maß.
Er war frei in seinem Geiste. Phantasie, sie gab ihm Kraft.
Und er hat in tiefsten Stunden oft das größte Werk geschafft.
Seine Gabe war erhaben, souveräner als Vernunft.
Und sie gab so manchem Zweifeln eine bergend´ Unterkunft.
Manchmal hatt´ er nichts zu lachen, doch er tat es trotzdem, g´rad.
And´re damit anzustecken, war ihm niemals je zu fad.
Die Musik in seinen Farben, wie ein Leuchten klingt sie leis´.
Denn der Maler des Humores wurde niemals je ein Greis.
Er bewahrte sich das Kinde, das so unbefangen lacht.
Damit hat er vielen Menschen bunte Freude oft gemacht.
Sonnenschein in seinen Farben weckten Wärme, bargen Licht.
Und die überwund´nen Sorgen zählte weiser Maler nicht.
Herzensgüte, Nächstenliebe lebte er im Leben vor,
Seine Werke können schmunzeln, weil Humor er nie verlor...
Mi Abuelo war mein Opa. Manches hat er mich gelehrt.
Seine Bilder bergen Lächeln, Traurigkeit, die unbeschwert.
Tango












