Stelldichein am Frühstückstisch
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Atmosphäre - höflich-träge,
scheinbar Frieden, Harmonie.
Im Konfliktvermeiden läge,
meint´ der Gatte, Agonie
jenes inneren Erlebens,
das sich teilzuhaben wehrt,
flugs gefiltert, was vergebens
sich nach Äußerung verzehrt,
was die Gattin arg verwirrte,
meint´ sie doch, er griff sie an.
Rasch verbarg sie, daß sie irrte.
Denn wahrhaftig war der Mann
im authentischen Bemühen
zuzumuten, was doch wahr,
Echt-Gemeinschaft nicht zu fliehen;
kurz: die friedliche Gefahr
auszusprechen. - Leider kostet,
meint´ der Gatte, solches Mut.
Einer Liebe, welche rostet,
tut Wahrhaftigkeit ja gut.
Hilf mir, sagt´ er, zu erkennen,
wo ich schwach und fehlbar bin.
Die Motive zu benennen,
hinterfragen macht ja Sinn.
Tut´s mal weh, so kann´s ertragen.
Es vermeiden hieße Still-
stand beim Lebenslüge fragen,
ob sie mit verrosten will.
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Masse statt Klasse
Kunzens Hinzy hat es bitter
nötig, denn er wirbt bei Twitter
für die Blog-Gefühlsergüsse,
die ein jeder lesen müsse.
Möglichst viele Klicks zu kriegen,
läßt sich Hinzy gern verbiegen
von den Folgern, die ihn klicken,
oberflächlich hinzublicken,
wie sie´s tun bei all den andern,
deren Seite sie bewandern.
An der Oberfläche bleiben,
sich der Quantität verschreiben,
beugt sich Hinzy lau der Masse,
statt der Qualität und Klasse.
Anfangs reizte noch das Neue.
Später folgte dann die Reue.
Für die Folger war er einer
unter vielen. - Lückenbeiner
derer, die gewohnheitsklicken,
überall mal reinzublicken,
ohne wirklich wahrzunehmen
durchzuhetzen sich bequemen,
wie die Mit-den-Strömen-Schwimmer
Däumchen dreh´n im Wartezimmer,
um beim Eitelkeitverpusten
eingeschlummert mitzuhusten.
Zeit begann vorbeizufliegen,
ohne Leben mitzukriegen,
außer dem der vielen Läufer
im Gewühl der Alleskäufer.
Immer vorn dabei zu sein,
stellt sich meistens Streß mit ein.
Mancher Hinzy baut auf Masse
und verzichtet gern auf Klasse...
Verklemmt und stolzverkappt
Phari hat ja oft zu kämpfen mit Erröten im Gesicht.
Herz beginnt so laut zu klopfen. Schüchtern, meint er, sei er nicht.
Nein, gewiß, er ist verlegen; ohne Grund verklemmt, zu schnell.
Die Komplexe will er leugnen, denn er hält sich ja für hell.
Furchtsam wünscht er sich beim Beten: „Wäre ich doch selbstbewußt,
dábei noch ein wenig kecker, dann verginge auch der Frust.“
Sein gehemmter Plüschologe wühlte, bohrte, deckte auf,
was im Gestern Phari´s Eltern falsch erzogen bei dem Lauf
in ein eigenständig´ Leben, das sich selbst gefangen hält.
Und für solchen wirren Schmonzes zahlt´ der gute Mann noch Geld.
Das Ergebnis läßt sich sehen: Mehr Komplexe als zuvor,
plus ein leuchtendes Erröten von der Nase bis zum Ohr.
Denn der Couch- und Wühl-Experte hat dem Phari nicht erklärt,
daß sich hinter seiner Hemmung der verkappte Stolz entleert,
hinter Minderwertgefühlen einzig purer Hochmut steckt,
den der feige Plüschologe selber bei sich zugedeckt.
Wirklich lästig solch Beklemmen, denn es wackelt das Gerüst,
und es kostet wahre Mühe, mehr zu scheinen als „man“ ist,
ohne die Gebundenheiten, Zwänge einmal einzuseh´n,
um sich davon zu befreien. Egotrippies bleiben steh´n.
Denn sie WOLLEN sich ja drehen um das eig´ne kleine Ich.
Freiheit wäre zu gefährlich. Sich erkennen hieße Stich
in den Kerker „Egozentrik“, diesem selbst gewählten Joch.
Ohne Schmerz der Demutsschule bleibt er in dem dunklen Loch.
Leider gibt er sein Vermögen für die Damals-Wühler aus,
dabei will er gar nicht wissen: Klempner wohnt im selben Haus;-)
