Bevor Du gehst

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Gewähr mir, Freund, ein herzberedtes Schweigen,

bevor Du gehst, vernimm der Stille Lied,

damit ein Frieden ins Gemüt Dir zieht.

Verwelkte Blätter rascheln zwischen Zweigen.

 

Sie tanzen sterbend den Novemberreigen.

Was hält den Wunsch, der ins Erfüllen flieht,

wenn unerwartet Endliches geschieht,

vor dessen Nein die Narren sich verneigen,

 

als hätten sie geahnt: Der Tod verschlingt

die Hoffnung derer, die dem Trug erliegen,

Erkenntnis sei der Weg zu wahrem Glück?

 

Zum Glück kehrt unsre Seele nicht zurück

in diese Welt, wo Werte nichts mehr wiegen. -

Ich frage nicht, was mir der Morgen bringt.

 

Mein Wort umatmet ungesagt Dein Bangen

vor dem, was Dich erwartet. - Zage nicht.

Vertrau dem Herrn, bevor das Auge bricht.

Er zeichnet Dir ein Streicheln auf die Wangen.

 

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Adergold

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Es fiel ein Blatt mir ins Gebet,

septemberraubereift,

wie Adergold, das herbstumweht

Erinnerungen streift.

 

Ich sog die Silben wie ein Dieb

aus seiner Endlichkeit.

Mir war, als hauchte es: ´Vergib,

es ist zum Abschied Zeit.´

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Lied der Trauerweide

 

 

Der See, zu dem sich ihre wehen Träume weinen

ist Freund und kennt ihr altes Abschiedslied

von Zweigen, die sich duldend neigen zu vereinen,

was schweigend sich der Hoffnung Blick entzieht,

 

um jedem losen Blatt die Träne mitzugeben,

die ungeweint ihr Lächeln nicht versteht,

wie Kummer konfrontiert mit prallgefülltem Leben,

aus dem ein Mensch - geliebt - für immer geht.

 

Sie beugt ihr winterkahles Haupt betrübt hernieder.

Im See des Sehnens spiegelt sich ihr Kleid,

als trüge Jahr um Jahr sie fort die Trauer wieder,

der Menschen stumm verklung´nes Abschiedsleid,

 

es tief gebeugt dem stillen See herabzuneigen,

der trostvoll ihre Tränen sanft umfängt.

Die Trauerweide trägt mit ihren Trauerzweigen

ihr Leid zum See, der manchen Trost geschenkt.

 

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Die alte Truhe

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Die Truhe hob er auf, sie aufzuschließen
an jedem Tag, sein Damals zu begrüßen,
erinnerte Momente. - Weher Mut,
ein Hauch von Schmunzeln schmerzte seine Wangen,
den Duft von Gestern wieder zu erlangen,
darin ein Sehnen noch an Ketten ruht.

Ein Korn aus Staub bedeckte sein Gedenken.
Die Truhe wischte er mit all den Bänken,
auf denen er verharrte wie im Traum.
Gewohnheit setzte sich auf Bank und Truhe.
Verblassen hüllte die enttäuschte Ruhe
des Nie-Mehr-Wieder in den leeren Raum,

darin sein Heute dürstete nach Leben.
Er schaute zu, als all die Spinnenweben
die alte Truhe streichelten im Licht
des Damals, das ihn aus der Ferne grüßte
als ob er nur noch Abschied nehmen müßte,
weil nun ein leises Hoffen zu ihm spricht.
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