Silben
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Ein Glas mit reinen Silben mag der eine nippend leeren,
als koste seine Zunge veritasgefüllten Wein,
Den zweiten mag der klare Trank mit Bitternis beschweren.
Zerbricht er dann das feine Glas mit einem Wort aus Stein,
so werden doch die Silben durch die Scherben weiter fließen,
dem einen Spiegel sein, dem andern Lebenselixier.
Den Steinewerfer wird sein töricht´ Tun zuletzt verdrießen.
Vielleicht ertränkt er dann den Groll betrübt in seinem Bier.
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Ach, du schöne Urlaubszeit!
Ausgehungert, naß und zitternd
sitzt er an der Autobahn.
„Ach, wie traurig! Solch ein Schicksal!“
meint die Menge, hält nicht an.
„Anzuhalten - zu beschwerlich -
sicher nimmt ihn einer auf.
Außerdem: Es sind ja Ferien.
Er behindert unsern Lauf.
Denn wir können eh nichts ändern.“
Augen werden zugemacht,
über´s Elend weggesehen,
an sich selber nur gedacht,
so als ob´s den Hund nicht gäbe,
der sie flehend angeschaut.
„Soll sich doch ein and´rer kümmern,
sonst wird noch der Sitz versaut.“
Sprachlos schaut das arme Wesen;
Hilfe rufen kann es nicht,
wo der Hunger und das Frieren
angstvoll aus den Augen spricht.
Mitleidvolle Heuchelmienen
fahren vorwandvoll vorbei,
so, als ob es and´rer Leute
Pflicht und deren Sache sei.
„Außerdem: Die andern reden,
sicher gibt´s Probleme dann.
Sowas können wir nicht brauchen.
Erstmal kommt der Urlaub dran!“
Und so lassen sie geschehen,
was verhindert werden kann.
Fahren feige dran vorüber,
denn es geht sie ja nichts an...
Schauen tatenlos den Qualen
eines Lebewesens zu.
Klagen über den Besitzer.
Das Gewissen gibt dann Ruh´.
Besser Pflicht auf and´re schieben;
Mitgefühl wird zugedeckt,
Hände in der Unschuld waschen,
weil der Wagen sonst verdreckt...
