schaubelebt
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Erzähl´ den Fingerspitzen ein Berühren,
bevor die Lider schließend sich ergeben
als könnten blinde Blicke schaubeleben,
was immer innen sie betrachtend spüren.
Begleite meine Hände zu den Türen
ertastenswerter Fülle, aufzuheben
gebeugtes Zagen, bange im Bestreben
noch einmal zu den Quellen hinzuführen,
aus den zu trinken sich die Augen füllen
mit Freudentränen, ihren Durst zu stillen,
als könnten sie ein Augenlicht erringen.
Und was sich schon in Nacht beginnt zu wiegen,
es darf sich an Erinnerungen schmiegen,
bevor die Lieder blickverstummt verklingen....
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Abendmelodie
Bleib, Du Abendharmonie,
Melodie
ungeahnter Klangnuancen.
Laß Dich nieder ohne Hast.
Sei mir Gast.
Charmebeflügelte Balancen
geistbeschwingter Phantasie,
Poesie
klingender Gedankenfülle.
Nimm Dir Zeit für Bild und Lied.
Es geschieht
im Crescendo reicher Stille.
Gönn Dir nur den Augenblick.
Laß Geschick
ferngehauchtem Echo gleichen.
Gib dem Kind Gelegenheit.
Sei bereit,
ihm die Hand „Daheim“ zu reichen...
schnee-gestreichelt
Vom Schnee gestreichelt liegt ein Blatt in müden Falten
am Wegesrande. - Herbstverwehtes Zittern, Bangen
erduldet frierend - Eisestränen auf den Wangen -
die Kälte. - Sein Verfallen schützend aufzuhalten,
umschließe ich die brüchig-blasse Staubes-Hülle,
mit beiden Händen sie nachhaus´, hinein zu tragen.
Es war, als hörte ich das Blättlein zaghaft sagen:
´Gewähr´ mir etwas Wärme, daß mein Herz sich fülle
mit jenem Glauben, nicht umsonst gelebt zu haben.
Zerbrechend, noch im Sterben einmal zu erfahren
die Nähe, die vor nackten Ängsten kann bewahren,
um dann zuletzt mich schnee-gestreichelt zu begraben.´
Verrechnet
Wo im Voraus Du berechnet´,
was ein And´rer tut und denkt,
ist Dein Denken längst geknechtet,
Taktik-Joker blind verschenkt.
Denn der And´re, wenn er´s ahnte,
daß sein Denken Du verplant´,
seine Wege selber bahnte,
wo Du gänzlich ihn verkannt.
Läßt Du´s in den Gassen tönen,
was am Ende traf nicht ein,
wird die Masse Dich verhöhnen.
Töricht stelltest Du ein Bein,
über das Du fällst. - Die Zeche
wird Dir gratis präsentiert.
Spekulieren bleibt die Schwäche,
deren List Dich selbst blamiert.
„Ich sag' es dir: ein Kerl, der spekuliert,
Ist wie ein Tier auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.“
Johann Wolfgang von Goethe
