schaubelebt

.

Erzähl´ den Fingerspitzen ein Berühren,

bevor die Lider schließend sich ergeben

als könnten blinde Blicke schaubeleben,

was immer innen sie betrachtend spüren.

 

Begleite meine Hände zu den Türen

ertastenswerter Fülle, aufzuheben

gebeugtes Zagen, bange im Bestreben

noch einmal zu den Quellen hinzuführen,

 

aus den zu trinken sich die Augen füllen

mit Freudentränen, ihren Durst zu stillen,

als könnten sie ein Augenlicht erringen.

 

Und was sich schon in Nacht beginnt zu wiegen,

es darf sich an Erinnerungen schmiegen,

bevor die Lieder blickverstummt verklingen....

.

^^^ ­

Abendmelodie

 

Bleib, Du Abendharmonie,

Melodie

ungeahnter Klangnuancen.

Laß Dich nieder ohne Hast.

Sei mir Gast.

Charmebeflügelte Balancen

 

geistbeschwingter Phantasie,

Poesie

klingender Gedankenfülle.

Nimm Dir Zeit für Bild und Lied.

Es geschieht

im Crescendo reicher Stille.

 

Gönn Dir nur den Augenblick.

Laß Geschick

ferngehauchtem Echo gleichen.

Gib dem Kind Gelegenheit.

Sei bereit,

ihm die Hand „Daheim“ zu reichen...

 

^^^ ­

schnee-gestreichelt

 

Vom Schnee gestreichelt liegt ein Blatt in müden Falten

am Wegesrande. - Herbstverwehtes Zittern, Bangen

erduldet frierend - Eisestränen auf den Wangen -

die Kälte. - Sein Verfallen schützend aufzuhalten,

 

umschließe ich die brüchig-blasse Staubes-Hülle,

mit beiden Händen sie nachhaus´, hinein zu tragen.

Es war, als hörte ich das Blättlein zaghaft sagen:

´Gewähr´ mir etwas Wärme, daß mein Herz sich fülle

 

mit jenem Glauben, nicht umsonst gelebt zu haben.

Zerbrechend, noch im Sterben einmal zu erfahren

die Nähe, die vor nackten Ängsten kann bewahren,

um dann zuletzt mich schnee-gestreichelt zu begraben.´

 

^^^ ­

Verrechnet

Wo im Voraus Du berechnet´,

was ein And´rer tut und denkt,

ist Dein Denken längst geknechtet,

Taktik-Joker blind verschenkt.

 

Denn der And´re, wenn er´s ahnte,

daß sein Denken Du verplant´,

seine Wege selber bahnte,

wo Du gänzlich ihn verkannt.

 

Läßt Du´s in den Gassen tönen,

was am Ende traf nicht ein,

wird die Masse Dich verhöhnen.

Töricht stelltest Du ein Bein,

 

über das Du fällst. - Die Zeche

wird Dir gratis präsentiert.

Spekulieren bleibt die Schwäche,

deren List Dich selbst blamiert.

 

 

„Ich sag' es dir: ein Kerl, der spekuliert,
Ist wie ein Tier auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.“


Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

^^^ ­