Das unsichtbare Band
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Wer kennt Dich, Fremde mit den flockenweißen Locken,
wie Du Dich tanzend frei durchs Erdenhaus bewegst
und gleich dem Wirbelwind die Stuben unerschrocken
im Sinnertasten furchtlos-federleicht durchfegst,
als hielte Dich ein Vater bei den Kinderhänden
und finge Dein Gemüt in Schutzesschwingen auf,
als müßten alle Mauern, die im Weg sich fänden
zur Seite weichen bei dem Lebensstürmelauf?
Wer kann Dir Wunden schlagen, ohne zu verbrennen
durch Den, der Dich bewahrt in Seinem Flammenblick?
Vermag es einer, jene Liebe zu benennen,
die segensreich geleitet Wege wie Geschick?
Sie werden jenes unsichtbare Band erspüren,
als wär´s ein Donnerhauchen im Vorübergehn!
Und läßt ein Herz sich davon erst bewußt berühren,
so wird´s das Flüstern Deiner Nähe bald verstehn.
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Kinderlachen
Ein Kinderlachen will der Wüste Herz durchklingen,
darin die Leere ihr Gesicht im Nichts verliert,
als könnte es die Einsamkeit zum Schweigen bringen
im Klang der Liebe, deren Hand die Hand berührt,
zu lindern, was verstummte Nacht in Angst verborgen,
darin die Leere ihr Gesicht im Nichts verliert
und Spuren hinterläßt im Sand getrennter Sorgen
in Grenzenlosigkeit gefangen, Halt zu finden,
zu lindern, was verstummte Nacht in Angst verborgen
um von der Grenze allen Leids am Kreuz zu künden
als hätte schon der Tod sein Lebensziel verloren. -
In Grenzenlosigkeit gefangen, Halt zu finden,
wo Jubel in den Mund der Not hineingeboren
in Reue sich dem Sinn im Sein bewußt zu beugen,
- als hätte schon der Tod sein Lebensziel verloren, -
um von der Hoffnung in der Einsamkeit zu zeugen.
Ein Kinderlachen will der Wüste Herz durchklingen,
in Reue sich dem Sinn im Sein bewußt zu beugen,
als könnte es die Einsamkeit zum Schweigen bringen...
Das letzte Lebens-Puzzle-Teil
Ein ganzes Leben hatte er gebraucht, um dieses riesige Puzzle mit dessen nicht mehr nachzählbaren Puzzleteilen geduldig, Stück für Stück zusammenzutragen. In seinem kleinen Freundeskreis war er dafür bekannt, ein ausgeglichener, in sich ruhender, bedächtiger Mensch zu sein, der eher still vor sich hinschmunzelte, als sich über sein Umfeld aufzuregen. Nach vielen größeren und kleineren Schicksalsschlägen hatte er sich dieses feinsinnige Schmunzeln bewahrt und war über all seine hohen und tiefen Erfahrungsberge und -täler alt und weiß geworden. Einzig seine Augen strahlten auf eigentümliche Weise eine Traurigkeit aus, die einen Hauch von „Hätte, wäre, würde“ andeuteten...
Seinen letzten Geburtstag hatte er vor, mit seinen drei besten Freunden zu feiern. Er wußte, daß er unheilbar krank war, und das folgende Jahr nicht überleben würde. Zur Feier des Tages hatte er sich vorgenommen, seinen Freunden das große „fertige“ Lebenspuzzle zu zeigen, und sie nach ihrer Meinung zu fragen. In all den Jahren hatte er dieses Kunstwerk niemandem enthüllt, sondern jeden Tag ein Teil des Mosaiks hinzugefügt. Allerdings war ihm in den letzten zwanzig Jahren aufgefallen, daß ein Zug seines eigenen Gesichtes, das auf dem Puzzle als Bildnis entstehen sollte, ihm so gar nicht gefiel und zusagte, weil dieser Zug einfach nicht in sein Charakterbild hineinpaßte...
Wie oft hatte er schon des Abends, wenn er vor dem Kamin saß, um zu lesen, einen Blick auf das Puzzle geworfen, um herauszufinden, was genau ihn an diesem Zug mißfiel. Es kam ihm vor, als würde der Mann auf dem Bild ihn etwas verbittert und vergrämt anschauen... Und er tröstete sich mit dem Gedanken, daß - wenn erst mal das gesamte Puzzle fertig gestellt sei - dieser Zug schon verschwinden würde.
So trat er voller Spannung an seinem Geburtstag an die Wand heran, an der er das Puzzlebild befestigt hatte, und nahm das letzte Puzzleteil feierlich, beinahe ein wenig zögernd, in seine alte, schon zittrig gewordene Hand. Zwei Stunden würde er noch für sich haben, bevor seine drei Freunde zur Feier des Tages erscheinen würden. Und nun legte er das Teil in die noch offenstehende Lücke des Bildes, suchte die Rundung, in der es hineinpassen sollte. Und fand... eine Kante vor, wegen der das Teil einfach nicht passen wollte. Er wurde immer unruhiger und suchte voller Ungeduld, das runde Teil mit Druck in die Ecke zu zwingen. Doch es wollte und wollte einfach nicht gelingen. „Flixtnochmal“, dachte er bei sich, „und das heute, und das mir, und das kurz vor Toreschluß!“
Angespannt setzte er sich in den Sessel, der ein paar Meter von dem Bildnis entfernt stand und überflog mit suchenden und eilenden Blicken das gesamte Bild nach einem eventuellen Fehlgriff eines Teiles, das er offenbar mit diesem Letzten vertauscht haben mußte. Und nun begann er sich zu ärgern. Denn er hätte es ja hingenommen, wenn es sich um ein Teil im Haarbereich gehandelt hätte. Das hätte ja irgendwie vertuscht oder gar übermalt werden können. Aber nein, es war genau der Teil, der den rechten Mundwinkel abbildete. Und der wollte sich einfach nicht ins Gesamtbild einfügen lassen....
Es half alles nix, seine Freunde kamen, und da er es gewohnt war, sich ihnen mitsamt seinen Ecken und Kanten zu zeigen, enthüllte er nach der Begrüßung das große Bildnis an der Wand. Staunend standen seine Freunde vor dem Bild und waren erst mal sprachlos. Er berichtete ihnen von seinem Mißgeschick des offensichtlich vertauschten Puzzleteiles, was zwei der Freunde als nicht so „schlimm“ abtaten und versuchten, ihn damit zu trösten. Der dritte Freund, der sein bester Freund war, schwieg die ganze Zeit über und schaute ein wenig verschmitzt in die Runde...
Als es Zeit war, Abschied zu nehmen, und die zwei Freunde schon gegangen waren, nahm ihn sein bester Freund an die Seite und meinte: „Ich weiß, wo sich das verflixte Teil versteckt hält, das Du aus Versehen vertauscht hast. Und ich bin sicher, daß ein einziger unbedachtsamer Moment ein ganzes Lebenswerk verändern kann, sowie ein einziger, vermeintlich kleiner „Fehler“ ein Leben in eine andere Richtung zu lenken vermag.“ Mit diesen Worten zog er ihn schulterklopfend vor das Bild, zeigte auf den linken Mundwinkel und meinte keck: „Wenn Du morgens in den Spiegel schaust, hast Du da jemals einen Mann gesehen, der ohne sein bekanntes und wohltuendes Schmunzeln das Haus verläßt? Und dann schau Dir diesen runtergezogenen linken Mundwinkel an. Der gesamte Ausdruck Deines Gesichtes ist dadurch „verfälscht“ und zeigt einen verbitterten alten Mann, der Du nicht bist!“
Ganz behutsam nahm nun sein Freund das einzelne Puzzleteil, das den linken Mundwinkel abbildete, aus dem Bild heraus, und ja, genau das Teil war an der falschen Stelle eingefügt worden. Es schien, als wäre eine kleine, beinahe unscheinbare Kante mit einer gewissen Gewalt in eine runde Ecke gedrückt worden, worauf lediglich ein winzig kleiner Spalt hinwies, der nur bei richtigem Licht und Blickwinkel zu erkennen war...
Erleichtert nahm der alte Mann das verkehrt gelegte Einzelteil in die Hand und tauschte das letzte, noch verbleibende, Teil mit diesem aus. Beide Mundwinkel deuteten nun genau jenes Schmunzeln an, das ihm während der letzten zwanzig Jahre seines Lebens nicht mehr entgegen gelächelt hatte, und das einzig und allein aus dem Grund, weil er ein kleines Puzzleteil aus Unbedachtsamkeit vertauscht hatte...
Selbstbedienung
Zwischen Markgeschrei und Ständen sitzt ein Mann am Straßenrand.
Vor ihm steht ein Koffer Perlen. Eine hält er in der Hand.
Neben ihm ein alter Esel. Dieser trägt ein Palmenblatt
mit der Aufschrift: „Selbstbedienung - Perlen gibt´s für jeden satt!
Gar nichts mußt Du dafür leisten. Greife zu und sei so frei,
das Geschenkte anzunehmen!“ - Doch die Masse sturt vorbei,
kann nicht glauben, daß die Perlen ganz umsonst zu haben sind.
Handeln in Gesetzlichkeiten, sind für ihre Freiheit blind.
Denken gleich ans Revanchieren. Haben einfach nicht den Mut,
Angebot´nes anzunehmen, weil „man“ sowas ja nicht tut.
Leben lieber nur nach Vorschrift und genügen nicht mal sich.
Das Geschenk der Gnade Gottes lassen sie bewußt im Stich.
Weder Perlen noch Erlösung nehmen sie von Jesus an.
Eintrittskarte in den Himmel, dafür zahlte schon der Mann
dort am Kreuz für ihre Schulden. Welche Gnade - kostenlos!
Menschen bauen auf Verdienste und auf ihre Leistung bloß.
Und sie leben nach dem Motto ihrer Regeln, dem „Du mußt!“
Statt die Freiheit anzunehmen, wählen sie den Sklavenfrust,
ihrer Eigenmacht zu dienen. Lehnen das Geschenkte ab.
Gottes Gabe an die Menschen, die Er gratis jedem gab.
Und der Mann mit seinem Koffer? Er verstand die Welt nicht mehr.
Perlen warf er vor die Säue. Anzunehmen fällt zu schwer.
Und so nahm er seinen Esel an die Leine und verschwand.
Liegen blieb der Palmenwedel, menschbeschmutzt am Straßenrand.
Schicksal oder letzte Chance?
Eine Städtereise mit dem Bus hatte der Doc seiner Frau zu Weihnachten geschenkt, und sie freuten sich beide sehr darauf, diese Reise gemeinsam im Neuen Jahr anzutreten. Früh morgens, am Tag der Abfahrt bekam der Doc einen Notruf aus dem Krankenhaus. Er sollte eine Operation durchführen, bei der es um Leben und Tod einer jungen Frau ging. Seine Ehefrau brachte ihn selbstverständlich sofort ins Krankenhaus und meinte: „Die Reise nach Paris können wir im Sommer nachholen. Du wirst jetzt HIER gebraucht!“
Die O.P. war, trotz einiger Komplikationen, ein voller „Erfolg“, denn die junge Frau überlebte einen schweren Unfall, bei dem ihre zwei kleinen Kinder mit einer Prellung davon gekommen waren.
Als der Doc am Abend nachhause kam, hatte seine Frau das Abendbrot bereits vorbereitet, und sie sprachen über den Tag, ohne ihre Entscheidung, die Reise abzusagen, zu bereuen. „Wäre es nicht an der Zeit, die verbleibenden Urlaubstage dazu zu nutzen, Deine Mutter im Heim zu besuchen, um Dich mit ihr zu versöhnen? Du weißt, sie wartet nur auf ein Entgegenkommen Deinerseits, zumal sie ja ans Bett gefesselt ist, und selbst nicht kommen kann. Wer weiß, wie lange sie noch zu leben hat. Ihr könntet euch doch endlich mal über alles aussprechen und endlich Frieden schließen.“
Noch bevor der Doc antworten konnte, hörten sie, wie im Radio eine Durchsage gemacht wurde: „Auf der A 90 ist in den frühen Abendstunden ein Reisebus auf dem Weg nach Paris verunglückt. Keiner der Fahrgäste überlebte den Unfall.“
Wie erstarrt schauten sich beide schweigend an, denn es handelte sich um genau DEN Reisebus, der sie hätte nach Paris bringen sollen...
Am nächsten Morgen rief eine Schwester aus dem Altenheim an, in dem sich die Mutter des Doc befand, und teilte den beiden mit, daß der Zustand der Mutter sich zunehmend verschlechterte.
„So hat uns Mutter immer an der Nase herumgeführt“, meinte der Doc in fast verächtlichem Ton zu seiner Frau, „wenn sie uns zwingen wollte, um ihren Willen durchzusetzen. Sie blufft wieder nur, und ich sehe es nicht ein, daß ich meine wenigen Urlaubstage, die mir noch bleiben, zu meiner Mutter fahre, um mich zur Marionette zu machen. Das Spiel hat sie oft genug mit uns gespielt, und ich bin es Leid, mich ein weiteres Mal derart von ihr gängeln, dominieren und für ihre Zwecke mißbrauchen zu lassen!“
Nach diesen unverhältnismäßig heftig ausgesprochenen Worten setzte sich der Doc in seinen Wagen, um - wie er sagte - bei einer Fahrt ins Grüne auf andere Gedanken zu kommen, denn schließlich wollte er wenigstens die restlichen Urlaubstage ohne Zwischenfälle genießen, ohne sich von dem „Pokerface“ seiner Mutter erneut täuschen zu lassen...
Die Fahrt ins Grüne endete mit seinem Tod...
Schicksal oder verpaßte Chance?
Sag´s nicht!
Sag´s nicht, wenn sie Dich erfüllt. Worte können kaum erzählen,
wenn ihr wahres Wesen blüht. Laß Momente wortlos wählen,
wie sie unbefangen nährt Augenblicke ungezwungen;
ohne etwas zuzutun, hat natürlich sie durchdrungen
jenen Flügelschlag, der tanzt, wenn die Seele spürt ein Singen,
Spuren dabei hinterläßt, welche niemals ganz verklingen.
Wo die Wunden sind vernarbt, wirst Du stärker sie empfinden,
denn je tiefer sie durchlebt, um so voller wird sie künden,
was Lebendigkeit bewirkt. Eines wird vom andern zeugen.
Doch die Narbe wird sich stets jenem Unfaßbaren beugen,
das sich nicht besitzen läßt, sondern wohnt in dem Genügen,
wo Erwarten stille schweigt, wird es von allein sich fügen.
Bist Du auch im Außen reich, kannst Du niemals sie bezahlen;
magst vergnügen Dich im Schein, doch sie zeigt sich nicht in Schalen.
Sie verbirgt sich in dem Kern, wo ein Nutzen nicht erzwungen,
sondern in dem stillen Tun vom Ergebnis wird besungen.
Wenn der Abend künden kann, was im Morgen noch verborgen.
Einfach danken muß er dann, selbst für undankbare Sorgen.
Suche nicht, sie findet sich nicht in Greif- und Sichtbarkeiten.
Weder rauben läßt sie sich, noch im Blenden sich verleiten.
Und sie findet ihren Ort nicht in jedes Menschen Seele,
denn sie ist ein Teil von ihr; niemals hört sie auf Befehle.
Wo Du Pflichten gerne tust, wird sie gerne Dich begleiten,
wie ein leises kleines Glück, werden Winkel bald sich weiten.
Ihre Saiten sind gestimmt von geduldigem Erkennen.
Unbeendet bleibt ihr Lied, denn es läßt sich nicht benennen.
Manchmal findest Du sie blüh´n in dem Schönen and´rer Wesen.
Wo sie teilen, teile sie! Solches Teilen ist erlesen!
Denn sie schenkt Gelegenheit, sich im Lernen zu erweisen,
wo es nicht als Last geseh´n, wird es ein Erkennen speisen.
Gerne wohnt die Fröhlichkeit, in der Nähe ihrer Blicke.
Augen-Blicke bergen sie auf den Schwingen stiller Glücke.
Wenn die Melodie erklingt, kannst Du sie Dir nicht verdienen,
denn sie wird im Herzen Dir, von der Freude Dir beschienen.
Halte inne, horche auf, denn ihr feines, zartes Klingen
liegt im eig´nen Kämmerlein und in manchen kleinen Dingen...
Und das am hellichten Tag...!
An einem großen Autobahnrastplatz spielen sich - nicht nur an verlängerten Wochenenden und am hellichten Tag - zuweilen recht seltsame Dinge ab. An den hölzernen Tischen und Bänken haben sich teils Pärchen oder ganze Familien versammelt, um einen Snack zu sich zu nehmen oder gar ein kleines Picknick zu veranstalten. Lediglich drei von den Tischen sind noch frei. Auf einem dieser drei Tische steht ein Picknickkorb reich gefüllt mit Baguette, Wein, Käse und diversen Obstsorten. Er steht dort einsam und verlassen, wie es scheint, und das schon seit etwa einer Stunde. -
Auf dem Weg zum WC-Häuschen verirrt sich ein älterer, gut gekleideter Herr, beim Vorbeigehen an den übrigen Tischen und greift - wie zufällig - in den gefüllten Korb hinein, um sich eine Banane herauszustibitzen, so als wäre dies völlig normal. Er versucht nicht mal, seinen „Mundraub“ zu vertuschen, nein, er GREIFT, das heißt er packt so richtig VOLL rein in den Korb, daß im Grunde alle, die in der Nähe sitzen, es sehen MÜSSEN!!! ... und geht weiter Richtung WC-Häuschen, als wäre nix weiter geschehen. Zwei, drei Leute schauen kurz aber eher unbeteiligt auf, und widmen sich dann wieder ihren Snacks und Plaudereien.
Etwa eine viertel Stunde später peilen zwei Jungs, im Alter von ca. 7-8 Jahren, den Korb -> zielstrebigst an, und ohne viel Aufhebens zu machen, nimmt der eine das Baguette untern Arm, während der andere sich den Käse schnappt. - Eine Dame mittleren Alters hat die beiden beobachtet und rennt, wie von der Tarantel gestochen, auf die Jungs zu und PACKT die beiden, aber diesmal wirklich so was von VOLL, am Kragen und an den Ohren;-) Was ihnen denn einfiele, einfach aus fremder Leute Körbe das Essen zu klauen. Das wäre schließlich Diebstahl. Wo denn die Eltern wären, die verdienten gleich mit eine Tracht Prügel. Solche unverschämten Ungezogenheiten dürften schließlich nicht durchgelassen werden, denn sonst entwickeln sich aus solch kleinen Untaten irgendwann große Verbrechen!!! Usw. usf...
„Der Onkel da drüben, der hat sich auch eine Banane aus dem Korb genommen. Und wenn der das darf, dann dürfen wir das auch!“ Und mit diesen Worten zeigten sie auf den -> Versucher, den WAHREN Übeltäter des unglaublichen Schauspieles, das sich am hellichten Tage auf einer Autobahnraststätte schon mal zuträgt... oder so;-)
Wer in diesem Fall allerdings bestraft wurde, mag sich jeder selbst an seinen zehn Fingern abzählen...
Das ältere „Vorbild“ der Jungen jedenfalls kam unbehelligt davon. Ob er sich wohl schadenfroh die Hände gerieben hat, als er mit seinem Wagen mir nix, Dir nix davon sauste?
Und was die Frau betrifft: Welches ihrer zweierlei Maße wird sie wohl zuhause anlegen...?
Zu spät
Ein Candle-Ligth-Dinner - im Angebot - äußerst preiswert - mit allem Drum und Dran. Wie oft hatte sie sich - als sie noch jung war - vorgestellt, solch einen abgerundeten Abend mit ihrem Mann einmal teilend zu erleben, sich einfach nur verwöhnen zu lassen und eine unvergeßliche Erinnerung „mitzunehmen“. - Und nun las sie darüber in der Zeitung, und sie könnte ja zugreifen. Ja, sie könnte, wenn... ja, wenn sie nicht diese braune Marken-Lederhandtasche gestern im Schaufenster gesehen hätte, die weit mehr hermachte, als sämtliche Ledertaschen all ihrer Bekannten und Freundinnen zusammen. Und diese Tasche durfte sie sich doch nicht entgehen lassen, oder?! Schließlich würde sie soviel länger davon haben, als von einem einzigen Abend, der schneller vergeht, als die Kerzen brauchen, um abzubrennen... Außerdem: So einen Abend, den kann sich - bei DEM billigen Preis - wohl jeder leisten, aber diese Marken-Tasche, für die sie „die Andern“ nur so beneiden würden, paßt nicht nur zu ihrer übrigen Ledermontur, sondern sie müßte ihrem Mann nur ein paar extra Augenklimpern schenken, dann bekäme sie sie ganz sicher noch VOR ihrem Geburtstag von ihm geschenkt... So dachte sie, als sie Mitte Fünfzig war. Und sie bildete sich schwer ´was ein auf ihre hohen „An-Sprüche“... Das beinahe geschenkte Glück ließ sie links liegen und tauschte es ein durch eine teure Ersatzbefriedigung... die - nebenbei bemerkt - einige Jahre später bei einem Second-Hand-Laden landete...
Ein hoher Preis, den sie da zahlte. Ein zu hoher? - Und ihr Mann? Selbstverständlich schenkte er ihr die braune, sündhaft-teure Ledertasche noch VOR ihrem Geburtstag, denn er liebte seine Frau über alles. Und nicht nur das, er bereitete ihr eine weitere Freude, um sein Geschenk in einen, seinem „bescheidenen“ Anspruch nach, würdevollen Rahmen zu kleiden. Denn als sie nach Hause kam, lag nicht nur das Geschenk auf einem feierlich und phantasievoll geschmückten Tisch, sondern er hatte alles so hergerichtet, wie er es einige Zeit zuvor als Bild und Beschreibung in einer Zeitung gesehen hatte, und weder Kosten noch Mühen gescheut, um seiner Frau eine unvergeßliche Freude zu bereiten... im Schein zweier Kerzen, die, auch wenn sie erloschen waren, den Glanz der Erinnerung beibehalten würden...
Die Idee für solch ein Candle-Light-Dinner mochte er der Zeitung entnommen haben, aber die Umsetzung dieser Idee war ihm wichtiger als der neue Mercedes, der in derselben Zeitung im Angebot stand, und der, wenn er nicht sofort zugriff, an einen anderen gehen würde...
Beide hatten sie die Wahl, doch nur sie hatte die Qual. -
Heute steht sie neben seinem Krankenbett und weiß, daß er ihr nicht mehr lange bleiben wird, denn sein Herz ist schwach geworden über die Jahre... Wie könnte sie ihm nun all das zurück bezahlen, was er ihr all die Jahre an Werten und Liebe geschenkt hatte? Wer von beiden hatte wohl die höheren Ansprüche? -
In Gedanken blättert sie in der Morgenzeitung und liest: „Candle-Light-Dinner im Angebot - für zwei Verliebte. - Überraschen Sie doch Ihren Partner und zeigen Sie ihm, was Sie für ihn empfinden und was er Ihnen bedeutet. Es wird eine unvergeßliche Erinnerung gemeinsam erlebten Glückes sein und BLEIBEN.“ - Diese Zeilen zu lesen, empfand sie wie einen Stich in Herz. - Und heute, mit Mitte siebzig, hatte sie das nötige Kleingeld, um sich ALLES leisten zu können, zumal sie ja bald noch das übrige Vermögen ihres Mannes erben würde. Was gäbe sie heute nur darum, ihm DIESE eine, „kleine“ Freude, und sich selbst eine unvergeßliche Erinnerung zu bescheren... Eine Erinnerung, die ihr Trost in der Trauer hätte sein können...
Zu spät - denn sie hatte den rechten Moment ... verpaßt...
Was Du heute kannst verschenken,
laß es nicht von Gier ertränken.
Später wirst Du davon träumen,
was Du heute WILLST versäumen.
Nutze jeden Augenblick
für das kleine, stille Glück.
Mancher Anspruch wird zur Last,
weil Du „Wichtiges“ verpaßt.
Heute liebes Wort gesät,
dann ist´s morgen nicht zu spät.
