Gnaden-Los
„Welch´ Vergehen!“ schreit die Menge,
fordert laut: „Gerechtigkeit!“
meint Vergeltung - Rache-Enge;
neues Unrecht - tat-bereit.
Wird der Täter freigesprochen,
heißt es: „Ungerechtigkeit!
Hat er nicht Gesetz gebrochen?“
Keine Gnade - weit und breit.
So beginnt Im-Kreise-Drehen
als Spirale der Gewalt.
Gnadenloses Nicht-Mehr-Sehen
eig´ner nackter Schuld-Gestalt.
Wer den Kreis vermag zu brechen,
auf Vergeltung NICHT besteht,
wird „Vergib mir!“ freier sprechen,
weil er Unrecht selbst begeht.
Entthront
Deine Schwäche ist zu hassen.
Machtlos-einsam hält sie wach.
Deiner Rache Raum zu lassen,
hält Dich pausenlos in Schach,
miese Tricks im Rausch zu finden.
Schmutzig sind sie - wie Dein Bild.
Andern suchst Du´s aufzubinden,
hinter jenem feigen Schild,
das nach außen Wahrheit kündet,
wenn dahinter Lüge schreit,
weil sie keine Ohren findet,
die zu glauben sind bereit.
Rechte and´rer zu verletzten
nutzt Du Narren für Dein Tun,
abgestimmt-verdeckt zu hetzen
in verdreckten Mobbing-Schuh´n.
Die Beherrschung geht verloren,
wenn Dir jemand Spiegel zeigt.
Hast zum Opfer ihn erkoren,
weil er konsequent bezeugt,
daß Du feige Deiner Rache
all Dein Tun und Sinnen schenkst,
nicht mal merkst, wie all das Schwache
Deiner Seele Du verrenkst,
um Dich selber klein zu halten,
durch die Klage, die Du führst.
Sie beschreibt Dein eig´nes Walten,
weil Du Klarheit nicht mehr spürst,
die Du vorher hochgehalten,
weil sie Dir im Herzen fehlt,
Deine Neide jenen galten,
welche sie als Ziel gewählt.
Diese Klaren willst Du schlagen,
weil sie leben, was Dir fern.
Eig´ne Wunden wirst Du plagen,
die Dich doch am meisten stör´n,
jene Gier nach Rache schüren.
Du bist der, der selbst sich haßt,
sich fanatisch zu verlieren,
weil die Wahrheit Dir nicht paßt,
all das „Gute“ mitzureißen,
das Dein Denken NOCH bewohnt,
die Vergeltung gut zu heißen,
die am Ende Dich entthront.
„Wer auf Rache sinnt, reißt seine eigenen Wunden auf.“ - Sir Francis Bacon
„Wer mit sich unzufrieden ist, ist fortwährend bereit,
sich dafür zu rächen: wir anderen werden seine Opfer sein,
und sei es auch nur darin, daß wir immer seinen häßlichen Anblick
zu ertragen haben.“ - Friedrich Nietzsche
