lidverhüllt
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Du Schweigeblick, der alles Deuten duldet,
ach, laß die Wimper nur ein Weisen wagen.
Bereut entflieht, was einst in Furcht verschuldet,
sobald Versöhntes läßt gemeinsam tragen,
was lidverhüllt zu zeigen sich geziert,
als wenn die Schwelle schwebend Zweifel hegte
und nicht ein Atemzug sich hinbewegte
zur Herzenstür, wenn Mut den Kopf verliert.
Die Braue zuckt, als müßte sie dem Munde
verbieten sich zu öffnen, frei zu fragen,
was längst bedauert, an die Brust geschlagen,
und hoffend bangt, es schließe sich die Wunde
„Erinnerung“. - Vergessen läßt sich kaum,
was Spuren hinterließ im Seelenraum.
Und ob die Zeit ein Trostgefährte sei?
Ich wünsch´ es Dir! Und flehe Du herbei,
daß nicht der Schlaf sich finster Dir erweist
und Du nicht träumend um ein Gestern kreist,
als paßte Dir kein Schlüssel durch die Nacht
und hielte Dich noch immerzu bewacht
von Schuldgefühl, im Schweigeblick gebannt.
Und wenn Vergebung sich Dir zugewandt,
verwehre doch die Hand dem Kinde nicht.
Es schämt und scheut sich wieder zu vertrauen.
Erlaube nur dem Auge aufzuschauen,
wenn auch Bereutes noch im Innen sticht.
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unbesorgt
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Was will ich mir den Kopf / und Augenblick zerbrechen?
Das Korn ist ausgesät, / gedeiht zu seiner Zeit.
Zu sorgen bin derweil / ich keineswegs bereit.
Es würde nur den Mut / zu neuen Taten schwächen.
Zum Handeln zählt Geduld; / sie erntet ein Versprechen,
als wüßte sie genau, / es wächst Gelegenheit
zu tun, was nötig ist, / dem Warten Sinn verleiht,
um täglich ganz bewußt / bedachtsam aufzubrechen.
Ich kann doch gramgebeugt / zum Tanzen nimmer gehn.
Drum heb´ ich mein Gemüt, / Momente zu verstehn,
in denen Lied wie Frucht / zu reifen bald beginnen.
Und wagt es der Verdruß, / ein Moll ins Dur zu streun,
so kann er mich auch gern / im Walzertakt erfreun.
Am Ende wird ja doch / mein Lächeln ihn gewinnen.
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Kieselwunsch
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Gestern noch, Abuela, sah ich Dich von Ferne winken:
„Laß uns, Lockenköpfchen, wieder aus dem Brünnlein trinken!“
Und ich spürte Deine Hand die meine fröhlich fassen.
„Solch Er-trinken wollen wir uns nicht entgehen lassen!“
Schon von Ferne hörten wir das Brünnlein munter rieseln,
und bepackt mit drei von unsern wunschgefüllten Kieseln,
lauschten wir vergnügt den silberklaren Plätscherweisen,
staunend, wie die Kräuselwellen um die Kiesel kreisen.
Welchen Wunsch, Abuela, werden sie uns wohl erfüllen?
Ob sie im Erinnern schon ein Sehnen heiter stillen?
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