unvernarbt

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Wie lange soll der Wunsch Dich noch bewohnen?

Erkaltet nicht im Warten manch´ Gespür?

Gewahrst Du auch die offen-nahe Tür?

Erkennst Du nicht die Chancen, die sich lohnen

 

entdeckt zu werden? Willst Du DAS entthronen,

was neben Dir erbettelt: „Schau! Berühr!“

Verpaßtes zahlst zuletzt Du nur dafür,

ein Unerfülltes eisern zu verschonen,

 

als könnte Dein Beharren ihm befehlen:

´Sobald ich dich besitze, will ich lieben,

dem Näheblick im Jetzt die Hand zu reichen.´

 

Ein Teil der Seele wirst Du mit bestehlen,

sofern sie nicht bereits erstummt-vertrieben. -

Im Durst nach Mehr beginnst Du Sein zu streichen.

 

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federweich

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Die Trachtenjacke wünschtest Du zuletzt zu tragen,

dazu den Wanderstock und auch den Jägerhut

mit bunten Federn. Nicht ein einzig´ banges Klagen

entnahm ich Deinem Blick, der lang schon in sich ruht´.

 

Die Hände sollt´ ich Dir aufs Herzverklingen legen,

die Lider schließen, wenn die Träne winkt „Adé“

von Deiner Seite sollte ich mich nicht bewegen

und schauen, ob am Waldesrand ein Rehlein steh´.

 

Ich tat, worum Dein Wunsch mich atem-matt gebeten,

und legte eine weiche Feder still dazu.

Es war, als hätt´ ein Rehlein leis´ den Raum betreten

und weise Dir den Weg zur letzten Waldesruh´.

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Der Schatten der Sehnsucht

 

Ich wanderte entlang den Bach.

Ein Schatten folgte stumm mir nach.

Ich spürte Unbehagen.

Sein Spiegelbild im klaren Naß

erschien so unaussprechlich blaß,

darinnen lag ein Klagen.

 

Es drängte mich, ihn nah zu sehn,

sein Schattendasein zu verstehn,

sein Folgen zu ergründen.

Ich faßte Mut und sah zurück,

um einen kummermüden Blick

des Suchens vorzufinden.

 

Er hob die Stimme, tief bedrückt,

ein Flüstern, einsam, fast erstickt

von gramerfülltem Stöhnen:

So laß mich laufen, glaube mir,

ich war schon viel zu lange Dir

Dein ringend-wehes Sehnen.

 

 

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Umgarnt

 

Berückend ist des Frühlings Duft;

verlockend liegt er in der Luft,

mit Liebreiz zu versprühen,

was ahnungsvoll der graue Wind

im Herbst erinnert und ersinnt

in sehnendem Verglühen.

 

Er blinzelt keck im lichten Kleid,

beschwingt und unbeschwert verstreut

mit Anmut er sein Garnen.

Des Herbstes Auge, süß entzückt,

von all dem Frohsinn sanft berückt,

vermag es nicht zu tarnen,

 

was wehmutsvoll und wunsch-erregt

so warm sein altes Herz bewegt:

Lebendigkeit zu spüren

im frühlingsweichen Jugend-Traum.

Er wagt es nicht, er traut sich kaum,

sich zärtlich zu verlieren.

 

 

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