Spuren, die sich nicht verlieren

 

Für Sigrun - eine der begabtesten Autorinnen,

die mir im WWW begegnet sind!

 

 

Spuren kleiner Hasenpfoten

führen in den finst´ren Wald.

Ein Betreten ist verboten;

Waldbewohner läßt es kalt.

 

Und so zieh´ ich meinen weißen

Wintermantel fester zu

und betrete ungeheißen

jenen Pfad „Zur Waldesruh´“,

 

auf der Spur der Hasenpfoten,

Lebens-Zeichen tief im Schnee,

und beginne auszuloten,

welches Hasenpfoten-Weh

 

diesem Tierlein widerfahren.

Denn die weiße Flockenflut

mag so manches Rätsel wahren,

nicht jedoch die Tropfen Blut,

 

die mich führen tief und tiefer

in den dunklen Tannenwald

bis zum Platz der Tränenkiefer,

wo die Spuren machen Halt.

 

Kauernd, zitternd, halb erfroren

sitzt das Häslein im Geäst,

ganz durchnäßt, im Schnee verloren,

was mich sofort handeln läßt:

 

Kurz entschlossen knie ich nieder,

nehm´ das Tierlein in den Arm,

hülle es in meinen Mantel,

halte es geschützt und warm...

 

-

 

Geh´ ich heut´ im Wald spazieren,

hoppelt Häschen bald mir nach.

Spuren, die sich nicht verlieren,

halten so die Freundschaft wach.

 

Auf dem Wintermantel findet

sich bis heut´ der Tropfen Blut,

der zwei Herzen so verbindet,

wie´s Vertrauen immer tut.

 

^^^ ­

Wunsch-Los

 

Manche Glück- und Herzenswünsche,

teuer sind sie, wenn erfüllt,

denn je heftiger das Wünschen,

um so weniger gestillt

 

bleibt der Wunsch nach jenem Sehnen,

das dem Wünschen angehört´,

VOR der eiligen Erfüllung,

was der Wünschende entbehrt.

 

Unerfüllte Herzenswünsche

können Quell am Wege sein,

wie die Kraft zum Weitergehen,

trotz so manchem Stolperstein.

 

Denn ein Leben in Erfüllung

hängt nicht ab vom Wunsch gestillt.

Kleines Glück liegt oft im Sehnen,

wo der Wunsch sich NICHT erfüllt. 

^^^ ­

Perlreigenspiel

 

Der Wind will sich zur Ruhe legen;

den ganzen Tag hat er geweht.

In stillem, leisem, sanften Säuseln

er nun dem Schlaf entgegengeht.

Ein letzter Strahl der warmen Sonne

im Einverständnis gütig wacht;

und nur des Windes zartes Raunen

bedächtig flüstert: Gute Nacht.

.

Da kommt ein kleiner Regentropfen

und bittet scheu: Ach, lieber Wind,

die andern Tropfen wollen spielen,

weil sie noch gar nicht müde sind.

Wir brauchen aber deine Brise,

dann wird das Tummeln doppelt schön.

Drum spiel mit uns noch eine Weile,

und laß uns durch die Lüfte wehn."

 

Und sacht beginnt der Wind zu atmen,

und Perl um Perle kommt hinzu.

Ein Tanzen und ein freudig Springen

erhebt sich in der Luft im Nu.

In gleitend eleganten Reigen

die Tropfen schweben schwerelos;

sie huschen einzeln und in Scharen

und folgen jedem Windesstoß.

 

Auf phantasie-gehauchten Leitern

geschmeidig schwingen sie im Flug.

Mit Anmut tippeln sie und wiegen

sich federleicht im weichen Zug.

Erhaben schaut der Strahl der Sonne

dem Spiele zu in Harmonie;

und flüsternd klingt vom Wind getragen

die Regen-Tropfen-Melodie.

 

 

^^^ ­