Buckel-Bruch
Gestern traf er seinen Bruder. Der bestellte g´rad sein Feld.
Und mit salbungsvollem Seufzen, dem sein Ächzen selbst gefällt,
hob er an sich aufzuregen, volle Kanne bühnenreif,
daß sein Bruder - blitzbetroffen - stand vor Schrecken starr und steif.
Phari hatte sich geärgert über seine Ehefrau.
Dafür macht´ er seinen Bruder projizierend nun zur Sau.
Ohne daß er ´was verschuldet, packt´ ihn Phari beim Genick,
sah ihm tadelnd in die Augen, fand den Splitter in dem Blick
seines Bruders, jenen Splitter, der ihn jahrelang gestört.
Dabei war es bloß sein Balken, über den er sich empört´.
Doch er trug die Innenkämpfe mit sich selber nicht gern aus.
Und so war ihm jeder Splitter seines Bruders stets ein Graus.
Innen stritten all die Bisse, vom Gewissen auferlegt.
Um das Chaos loszuwerden, hat er´s außen abgeregt.
Denn er wollte sich nicht ändern, deshalb schob er alle Schuld
auf den nächsten Prügelknaben. Unzufried´ne Ungeduld
mit genau denselben Fehlern, die er selber oft beging.
Seine Einsicht in dieselben war beschränkt und zu gering,
daß er nicht ´mal mehr erkannte: Dieses war sein Urteilsspruch.
Und er haßte seine Fehler an den andern. Rückgrat-Bruch,
den er feig-versteckt umgipste, bis er eines Tages fiel.
Denn in dem, was er verdrängte, setzte manches er auf´s Spiel.
Lehnte ab die Eigenschaften, die er selber ja besaß.
Übertrug sie auf den andern mit dem feigen zweiten Maß.
Hätte er die eig´nen Fehler, die so menschlich sind, erlaubt,
sie als solche angenommen, sich der Freiheit nicht beraubt,
diese Fehler zu verstehen mit Humor und Mitgefühl,
dann mißbrauchte er den Bruder - im Erkennen - nicht als Ziel,
seinen Unmut loszuwerden. Und so fand er Splitter bald.
Denn der Balken in der Seele fand im Dasein keinen Halt.
Solcher Ärger kostet Kräfte, spaltet, lenkt ihn ab vom Kern.
Er erhebt sich über and´re, bleibt dem eig´nen Wesen fern.
Und so endet er als Richter in Verbitterung und Wut.
Sie begannen aufzuzehren seine Achtung, seinen Mut.
