Jammer-Lappen-Sammler

 

Bei den Hempels unterm Sofa liegt ein Klage-Jammertal.

Kümmerlinge, Larmoyanzen, rührbeseligt, ohne Zahl.

Vollgeflennte Jammerlappen, naßgeplärrt mit Selbstmitleid,

daß die Katzen danach schnappen, wenn die Suse heult und schreit.

Jedes Zipperlein ein Schluchzen, angesammelt, täglich frisch,

Milch von damals, längst vergossen. Unterm Teppich stinkt wie Fisch,

was die Bild schon damals wußte, plus das eig´ne Ach und Weh.

Schuhe, die schon ewig drückten und von gestern noch der Schnee,

weiche Eier, faul geworden, untern Teppich hart gekehrt.

Tränen-Säcke voll Gejammer, unterm Sofa ausgeleert.

Keinem Menschen geht es schlechter als den Hempels - wirklich wahr,

haben sich ja ausgeschlossen, aus dem Leben, offenbar.

Finden bei dem ganzen Krempel auch den Schlüssel nicht mehr auf.

Grübeln sich in Opferrollen, kreisen im Bedauer-Lauf.

Führen Buch zu all den Klagen und erzählen jeder-“man“,

wie gewaltig und effektvoll so ein Jammern quaatschen kann.

Treffen sich in Schluchzer-Gruppen und bewimmern beiderseits,

welcher Sumpf am zähsten schlammte. - Wundenlecken - ohne Geiz.

Manche Hunde winseln besser, weil ihr Jaulen überzeugt.

Nur die Jammerlappen-Sammler fühl´n sich wohler, wie sich zeigt,

wenn sie weinerlich besingen, was da fehlt im Überfluß.

Hochwillkommen jeder Anlaß zum verdrießten Überdruß.

Ihre Schränke - voller Kerzen, doch sie zünden keine an.

Lieber kriechen sie im Dunkeln, wo das Weh sich suhlen kann.

 

„Ich klagte, daß ich keine Schuhe hätte,

bis ich einen Mann traf, der keine Füße hatte.” - Aus Indien

 

 

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o. T.

In dem Tümpel fragt er sich: „Wird es jemals besser werden?“

Tümpelt weiter vor sich hin, ändert nix an den Beschwerden.

Unzufrieden meint er dann: „Warum soll ich ´was verändern?

Es wird DOCH nicht besser sein.“ Und so sitzt er an den Rändern

jenes Tümpels, grübelt stur, denn er will ja nix verbessern.

Und so steht er wieder auf, um den Tümpel zu bewässern.

 

Dabei läge es an ihm, sich aus diesem rauszuziehen.

Ändern müßte er „nur“ sich, um dem Tümpel zu entfliehen.

 

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Aber...

Im Grunde müßt´ er sich erheben

und irgend etwas tun im Leben,

und doch beschließt er umzuschwenken,

um noch mal drüber nachzudenken.

So denkt und grübelt er sich ein.

Das Aber kommt: „Ach, laß es sein!“

Zuerst, so meint er, müßt´ er finden

den Sinn des Lebens und ergründen,

wohin er sich bewegen will.

Das Aber meint: „Ach, sei doch still!

Bewegung kann ich jetzt nicht brauchen;

ich muß zuerst mal eine rauchen

und überlegen, wer ich bin,

und dánach stellt´ sich ein der Sinn.

Zuende ist die Zigarette,

und jetzt! - so denkt er - jede Wette,

da müßte doch eventuell,

der Einfall kommen, möglichst schnell.

Das Aber flüstert: „Jetzt noch nicht!“

Die Zeit ist noch nicht reif fürs Licht!

Du mußt erst wissen, wo Du stehst,

bevor Du endlich weitergehst!

Und dafür mußt Du erst mal denken

und Dich so richtig reinversenken.“

So denkt er sich und macht nicht Halt

zu denken, bis er grau und alt.

 

Im Grunde müßt´ er sich erheben.

Das Aber tat ihn überleben...

 

 

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