Sonett 11/52
Des Abends, wenn Novemberstürme schließen
die kalten Arme um den müden Tag,
beginnt Erinnerung Advent zu grüßen,
als Leuchten noch in Kinderaugen lag,
am Schein der ersten Kerze sich zu freuen,
die - angezündet - Wünsche hoffen ließ.
Im Staunen-Dürfen lag noch kein Bereuen.
Allein die Kerze Festlichkeit verhieß.
Noch manchmal möchte Kinderherz ersehnen,
was einst die Kerze wärmend ihm erhellt;
noch manchmal sich ans Hoffen-Dürfen lehnen,
das einst die Tage bis Advent gezählt.
Es darf sich freuen, wenn´s auch fast zerbricht.
Es darf, oh Herz! Verzage dárum nicht!
o. T.
Rastlos grübelnd sitzt er schon seit Tagen
vor dem Fenster, blickt hinaus aufs Meer.
Früher ließ er sich von Wellen tragen.
Heute bleibt er leer.
Fieberhafte Ungeduld der Seele
scheint des immersatten Blickes Leid.
Aeolsharfen klingen wie Befehle,
weil die Leere schreit.
Statt die Fülle einmal zu verlassen,
die ihm früher Quelle war in Not,
zehrt die Überfülle im Verblassen
an des Geistes Brot.
Hätte er das Meer vermissen müssen
durch der Hände stetig rege Tat,
wäre Muße eingekehrt im Wissen,
daß sie jenen naht,
die nicht alles suchen zu ergründen.
Im Er-Warten stellt sich Starre ein.
Es begehrt, sofort ein Ziel zu finden,
um den kalten Stein
seines Herzens mit der Glut zu füllen,
die die Wellen einstmals inspiriert.
Solch Verlangen läßt sich niemals stillen,
weil die Gier verliert.
Sich dem Leben gier-los hinzugeben,
läßt die Wellen tanzen ohne Flucht,
meidet Warten durch das Stillestehen
in der Seele Sucht,
festzuhalten - augenblick-gebunden -
was sich frei bewegen will im Tun.
Darin kann sich neue Kraft bekunden,
um im Sein zu ruh´n.
Ein Begegnen läßt sich nicht erzwingen
auf der kurzen Lebenswanderschaft.
Manchmal heißt Er-leben loszulassen
für die Heute-Kraft.
Heute schon gedankt?
Hast Du heute schon gedankt
für die Augenblicke,
da die Seele nicht gebangt?
Stille kleine Glücke,
wenn die Arbeit froh getan
ohne sinnlos´ Sorgen,
wenn das Heute ging bergan
ohne Last für Morgen?
War Dir heute schon bewußt,
WÍEviel Du empfangen,
ohne daß Du danken mußt´,
ohne zu verlangen?
Gabst Du etwas von zurück?
Hast Du´s wahrgenommen?!
Lag ein Danken in dem Blick,
als Du´s frei bekommen?
Wenn Du liebst, so dankst Du gern,
für die kleinen Dinge.
Manchmal lohnt es zuzuhör´n,
daß ins Herz Dir dringe,
was im Danken Dir geschenkt.
Überfluß an Freude,
die im Jetzt ans Frohsein denkt,
statt an all die Leide,
die das Gestern schon geprägt.
Heut´ ist Zeit zum Pflanzen,
was Dir morgen Früchte trägt,
läßt Dich dankbar tanzen,
weil Du weißt, Du hast genug,
Brauchst ja nichts entbehren.
Sammle Dankbarkeit im Krug,
den Moment zu nähren,
wenn Du einmal traurig bist.
Kraft wird Dir entspringen,
weil die Träne freier ist,
Moll und Dur zu singen.
Drum verschiebe Danken nicht
auf die frohen Stunden.
Laß des Dankes stilles Licht
Trost sein für die Wunden.
DIE Entscheidung
Phari muß Entscheidung treffen, viele tausendmal am Tag.
Manchmal ohne es zu merken, weil Gewohnheit darin lag.
Heute morgen zieht er grübelnd seine Schuh von gestern an.
Hat es unbewußt entschieden, ist er doch ein Saubermann.
Schließlich muß er Häusle bauen, Heirat planen will er bald.
Danach soll er Geld anlegen, wohnt ja im Entscheidungswald.
Welche Ringe soll er kaufen? Hilfe! Auswahl ist so groß.
Morgen gibt es wieder Neues. - Das ist sein Entscheidungs-Los.
All die vielen Möglichkeiten! Welches ist die beste Wahl?
Phari bringt das aus der Ruhe, dieser Zwang - Entscheidungsqual.
Vieles muß er überdenken, durchgespielt zuerst im Kopf.
And´res packt er ohne Wägen und entschlossen bei dem Schopf.
Wird die Lösung ihm genügen, die er gestern noch entschied?
Oder gibt es and´re Wege, die problemgeplagt er mied?
Hat er alle Oder, Aber wirklich im Detail bedacht?
Hat er letztes Lebens-Update sinn-entschlossen schon gemacht?
Geht er bei Entscheidungs-Fällen mehr nach seinem Bauchgefühl
oder Kosten-Nutzen-Rechnen? Kennt er überhaupt sein Ziel?
Und die Folgen der Entschlüsse, die er dabei mitgefällt?
Hat er sich der Hauptentscheidung für das Jenseits schon gestellt?
Zu belanglos, nicht so wichtig. Dafür - meint er - hätt´ er Zeit.
Hingehalten, aufgeschoben. Heute ist er nicht bereit...
...denkt er morgens. Und am Abend liegt er auf dem Sterbebett.
Denn er traf die Fehlentscheidung, überholte - weil´s so nett -
erst den Traktor, dann den Flitzer, dann die Böschung vor dem Baum
mit den vielen bunten Äpfeln der Entscheidung. Wie im Traum
überholte ihn sein Leben. - „Letzte Chance“, haucht der Tod:
Hast Du endlich Dich entschieden? Willst Du Hölle oder Gott?
Und es ist, als stünde Jesus neben seinem Bett, so still.
So als ob er fragen wollte, ob er JETZT Ihm folgen will.
Schließlich ist es DIE Entscheidung über seine Ewigkeit.
Wird er Jesu Hand ergreifen, wenn die Seele ringt und schreit,
sich verzweifelnd sterbend windet, weil ihm DIE Entscheidung fehlt?
Oder hat er sich am Ende ganz umsonst durchs Sein gequält
und entschieden und erwogen und bestimmt und festgelegt.
Nur die wichtigste Entscheidung hat er ewig weggefegt...
Wo willst Jenseits Du verbringen? Triffst Du die Entscheidung nicht,
wird sie über Dich getroffen, vor dem weißen Thron-Gericht.
„Erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt …“ - aus Jos. 24
Wi(e)der hallen Schritte...
Schritte hallen - folgen schneller -
Glocke weint um Mitternacht:
„Warum hast Du nicht im Hellen
ängstlich´ Kind nach Haus gebracht!?“
Lauter pocht sein Herz im Gehen,
Laufen, Eilen, Rennen. - Halt!
Woher kommen diese Schritte?
Seine Fäuste sind geballt.
Weglaterne weist die Richtung.
Schatten schleichen. Herz steht still.
Schritte hallen wie ein Drohen,
dem sein Dunkel folgen will.
Denn der Weg, er bleibt derselbe,
ob bei Tag, um Mitternacht.
Nur das Schweigen später Stunde
hat die Schritte laut gemacht.
Und er hört sich selber gehen,
laufen, eilen, rennen. - Still!
Seine Ängste hallen wieder,
was der Tag verbergen will.
Warum hat er nicht im Hellen
ängstlich´ Kind nach Haus gebracht?
Selber ist er dieses Kinde,
das sich fürchtet vor der Nacht.
Heute schon gestaunt?
Mach´ ´mal wieder große Augen, denn zum Staunen gibt´s genug!
Schau Dich um in Deinem Alltag. Wunder füllen Lebenskrug.
Laß Dich davon überraschen! Sag nicht: „Ist mir schon bekannt.“
Augenblick-Entdeckungsreisen liegen meist am Wegesrand,
im Begegnen, im Spontanen und im Lachen ohne Grund.
Alles nur vorherzusehen, darin tut sich wenig kund.
Staunen kannst Du andern schenken, durch ein Lächeln, durch ein Wort,
denen, die es nicht erwarten. Unverhofftes trifft sofort.
Und im Herzen wird lebendig, was Du längst vergessen hast,
denn durch stetes Kontrollieren hast Du teils auch Dich verpaßt.
Sicher wird es erst verwirren, wenn Du zuläßt, was erstaunt.
Doch es lehrt Dich aufzumerken, zu be-greifen -> un-um-zaunt,
wenn Du änderst jenen Winkel, den Dein Blick noch nicht geblickt.
Manches läßt sich dann erkennen, das Du vorher unterdrückt,
weil die Regelmaße trübten. Heb´ den Schleier wie ein Kind!
Und Du wirst Dich bald verwundern, wie erfrischend Wunder sind,
die im Kleinen überraschen, ungeplant und kreativ.
Phantasie erklingt im Staunen, weckt manch´ Leben, das noch schlief.
