Hand voll Seele II
Wie kannst Du traurig sein? Ich puste Dir gelassen
den Lenz ins Herz hinein. Genießen wir die Zeit
der Nähe, Freund, bewußt! Der Herbst ist nicht mehr weit.
Versiegt Dir auch die Kraft, die Sorgen, sie verblassen
wie Laub im Morgentau. Ich will ins Heute fassen!
Noch tönt der Schwalben Lied. Der Birkenbaum gedeiht.
Drum laß uns fröhlich sein, zur Dankbarkeit bereit.
Wer wagt, der hofft zugleich. Du darfst Dich nicht verpassen!
Nimm meine Hand und schau: Ich mal Dir Heiterblau
ins zweifelnde Gemüt, ins triste Wolkengrau.
Denn Suerte finden wir in Blatt und Kieselstein.
Verweile nicht zu lang im Turm der Theorie.
Dort wohnt die Einsamkeit. Sie raubt Dir Energie.
Ich stupse Dich ins Jetzt. - Wie kannst Du traurig sein?
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Blitz in die Nacht
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Ein Blitz durchsticht die Nacht der Himmelsauen.
Ich seh ihm ehrfurchtswach ins Angesicht.
Ein Beten lehnt sich stumm an jenes Licht
der Welt - dem Einen - gilt mein Anvertrauen.
Es ist, als wolle es ins Herz mir schauen
und stünde für mein Zweifeln vor Gericht.
Er trägt an Kreuz und auf den Schultern nicht
die Schuld für unser Babelturmerbauen.
Und will die Angst die Seele mir bedecken,
so darf ich Seine Hand und Liebe schmecken.
Ich lege mein Gemüt getrost hinein,
als könne auch ein Seufzers zages Schrecken
mich nicht aus Schlaf ins Ewighoffen wecken,
Ein Kind versteht ein Dort-Geborgensein.
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Auf "la Vida"!
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Von Schattenflügeln seelennachtumgeben,
erahnt sich Dir der Sinn für Heiterkeit.
Inmitten tiefster Sterbenseinsamkeit
beginnt ein losgelassenes Er-Leben
ein letztes Lächeln kühn empor zu heben,
als wär´s zum Scherzo-Reigen dur-bereit,
humorbeschwingt, durch karger Täler Leid
dem Lohnenden ein Wunderwerk zu weben.
Und ob die Sense mag dem Tanz sich fügen,
den roten Faden Glück im Jetzt zu trennen,
es steht ja doch in unsren Mächten nicht.
La Vida trinke aus in vollen Zügen,
den Stempel „Lebe!“ Dir ins Herz zu brennen,
als schriebe Dir die Liebe ihr Gedicht.
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Sonett 11/52
Des Abends, wenn Novemberstürme schließen
die kalten Arme um den müden Tag,
beginnt Erinnerung Advent zu grüßen,
als Leuchten noch in Kinderaugen lag,
am Schein der ersten Kerze sich zu freuen,
die - angezündet - Wünsche hoffen ließ.
Im Staunen-Dürfen lag noch kein Bereuen.
Allein die Kerze Festlichkeit verhieß.
Noch manchmal möchte Kinderherz ersehnen,
was einst die Kerze wärmend ihm erhellt;
noch manchmal sich ans Hoffen-Dürfen lehnen,
das einst die Tage bis Advent gezählt.
Es darf sich freuen, wenn´s auch fast zerbricht.
Es darf, oh Herz! Verzage dárum nicht!
o. T.
Rastlos grübelnd sitzt er schon seit Tagen
vor dem Fenster, blickt hinaus aufs Meer.
Früher ließ er sich von Wellen tragen.
Heute bleibt er leer.
Fieberhafte Ungeduld der Seele
scheint des immersatten Blickes Leid.
Aeolsharfen klingen wie Befehle,
weil die Leere schreit.
Statt die Fülle einmal zu verlassen,
die ihm früher Quelle war in Not,
zehrt die Überfülle im Verblassen
an des Geistes Brot.
Hätte er das Meer vermissen müssen
durch der Hände stetig rege Tat,
wäre Muße eingekehrt im Wissen,
daß sie jenen naht,
die nicht alles suchen zu ergründen.
Im Er-Warten stellt sich Starre ein.
Es begehrt, sofort ein Ziel zu finden,
um den kalten Stein
seines Herzens mit der Glut zu füllen,
die die Wellen einstmals inspiriert.
Solch Verlangen läßt sich niemals stillen,
weil die Gier verliert.
Sich dem Leben gier-los hinzugeben,
läßt die Wellen tanzen ohne Flucht,
meidet Warten durch das Stillestehen
in der Seele Sucht,
festzuhalten - augenblick-gebunden -
was sich frei bewegen will im Tun.
Darin kann sich neue Kraft bekunden,
um im Sein zu ruh´n.
Ein Begegnen läßt sich nicht erzwingen
auf der kurzen Lebenswanderschaft.
Manchmal heißt Er-leben loszulassen
für die Heute-Kraft.
Heute schon gedankt?
Hast Du heute schon gedankt
für die Augenblicke,
da die Seele nicht gebangt?
Stille kleine Glücke,
wenn die Arbeit froh getan
ohne sinnlos´ Sorgen,
wenn das Heute ging bergan
ohne Last für Morgen?
War Dir heute schon bewußt,
WÍEviel Du empfangen,
ohne daß Du danken mußt´,
ohne zu verlangen?
Gabst Du etwas von zurück?
Hast Du´s wahrgenommen?!
Lag ein Danken in dem Blick,
als Du´s frei bekommen?
Wenn Du liebst, so dankst Du gern,
für die kleinen Dinge.
Manchmal lohnt es zuzuhör´n,
daß ins Herz Dir dringe,
was im Danken Dir geschenkt.
Überfluß an Freude,
die im Jetzt ans Frohsein denkt,
statt an all die Leide,
die das Gestern schon geprägt.
Heut´ ist Zeit zum Pflanzen,
was Dir morgen Früchte trägt,
läßt Dich dankbar tanzen,
weil Du weißt, Du hast genug,
Brauchst ja nichts entbehren.
Sammle Dankbarkeit im Krug,
den Moment zu nähren,
wenn Du einmal traurig bist.
Kraft wird Dir entspringen,
weil die Träne freier ist,
Moll und Dur zu singen.
Drum verschiebe Danken nicht
auf die frohen Stunden.
Laß des Dankes stilles Licht
Trost sein für die Wunden.
Wi(e)der hallen Schritte...
.
Schritte hallen - folgen schneller -
Glocke weint um Mitternacht:
„Warum hast Du nicht im Hellen
ängstlich´ Kind nach Haus gebracht!?“
Lauter pocht sein Herz im Gehen,
Laufen, Eilen, Rennen. - Halt!
Woher kommen diese Schritte?
Seine Fäuste sind geballt.
Weglaterne weist die Richtung.
Schatten schleichen. Herz steht still.
Schritte hallen wie ein Drohen,
dem sein Dunkel folgen will.
Denn der Weg, er bleibt derselbe,
ob bei Tag, um Mitternacht.
Nur das Schweigen später Stunde
hat die Schritte laut gemacht.
Und er hört sich selber gehen,
laufen, eilen, rennen. - Still!
Seine Ängste hallen wieder,
was der Tag verbergen will.
Warum hat er nicht im Hellen
ängstlich´ Kind nach Haus gebracht?
Selber ist er dieses Kinde,
das sich fürchtet vor der Nacht.
Heute schon gestaunt?
Mach´ ´mal wieder große Augen, denn zum Staunen gibt´s genug!
Schau Dich um in Deinem Alltag. Wunder füllen Lebenskrug.
Laß Dich davon überraschen! Sag nicht: „Ist mir schon bekannt.“
Augenblick-Entdeckungsreisen liegen meist am Wegesrand,
im Begegnen, im Spontanen und im Lachen ohne Grund.
Alles nur vorherzusehen, darin tut sich wenig kund.
Staunen kannst Du andern schenken, durch ein Lächeln, durch ein Wort,
denen, die es nicht erwarten. Unverhofftes trifft sofort.
Und im Herzen wird lebendig, was Du längst vergessen hast,
denn durch stetes Kontrollieren hast Du teils auch Dich verpaßt.
Sicher wird es erst verwirren, wenn Du zuläßt, was erstaunt.
Doch es lehrt Dich aufzumerken, zu be-greifen -> un-um-zaunt,
wenn Du änderst jenen Winkel, den Dein Blick noch nicht geblickt.
Manches läßt sich dann erkennen, das Du vorher unterdrückt,
weil die Regelmaße trübten. Heb´ den Schleier wie ein Kind!
Und Du wirst Dich bald verwundern, wie erfrischend Wunder sind,
die im Kleinen überraschen, ungeplant und kreativ.
Phantasie erklingt im Staunen, weckt manch´ Leben, das noch schlief.
Tango













