Ein Tropfen Blut
Dem Dornenstrauch, schon welk, verdorrt,
ich ruf´ ihm zu, wohl immerfort,
er solle Rosen tragen;
mal schmeichelnd, lockend, muterfüllt,
mal zitternd, zehrend, ungestillt,
es einmal noch zu wagen.
Und jauchzen möchte froh mein Herz,
erhaben über all den Schmerz:
Du sollst mir Rosen tragen!
So trotzig, töricht wie ein Kind,
vor Ungeduld so tränenblind,
das Wunder zu erjagen.
So küßte ich die Dornenhand
und bettelte, wie traumgebannt,
sie sollte Rosen tragen.
Und von der Lippen weher Glut
gebot ein roter Tropfen Blut,
den Rosen zu entsagen.
o. T.
„Du willst verheilen?“, sprach die Narbe zu der Wunde,
die alt geworden neue Risse sich geschlagen.
„Gedenke bei dem Schmerz des Lebens schönster Stunde,
bis hierher hat sie prägend Lasten mitgetragen.
Und sind´s nicht beide, die als Narben manchmal weinen,
die Tränen dann im Krug „Erfahrung“ zu versiegeln?
Ein neues Reißen heißt, sie beide zu verneinen,
sich gegen nicht mehr Änderbares aufzuwiegeln.
Du suchst nach jenen Pfeilen, die verletzen,
den Bogen Dir im Geiste zielbewußt zu spannen,
die Wut zum wahren Bogenschützen neu zu wetzen,
erneut zur Heilung Hingewandtes zu verbannen
und zwingst Erinnern, selbst sich strafend zu vergessen,
als müßte Leben die Erfahrung ausradieren,
Gefühltes im Verstand gefesselt zu erpressen. -
Im Nähe-Meiden umso tiefer Wunden spüren
bedeutet doch, ein Heilen gar nicht zu erlauben.
Verletzbar-Bleiben meint doch, Nähe zu berühren,
um trotz der Wunde an Vertrauen noch zu glauben.“
Mit Gemüt
Festzuhalten, zu erzwingen,
was schon abgestorben war,
wird dem Menschen kaum gelingen,
denn es stellt ein Klagen dar.
Loszulassen heißt verändern,
fordert Willen und Gemüt.
Diese beiden guten Freunde,
singen meist ein frohes Lied.
