Abendfrieden
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Es brennt noch Licht in Deiner Stube. Leise
entschwindet Wehmut in die Nacht hinaus.
In meinen Armen welkt, erstirbt ein Strauß
"Gedenkemein". - Zuende geht die Reise.
Im Nebel ziehen Kranichpaare Kreise.
Erinnerungen tragen mich nachhaus,
verweilen tröstend fort. - Du gehst voraus,
säst Abendsonnenblumen - dutzendweise.
Gedanken wandern weiter als wir denken,
enteilen, halten inne, fliegen frei.
Wir malen in die Asche Erdenglücke,
als könnten sie uns Atempausen schenken,
in denen Herz und Herz verbunden blei-
ben durch geteilte Einzigaugenblicke.
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Frühling im Winter
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Sie hebt den Kopf, gedankenvoll zu sagen:
„Es ist ja nur die Schale, die zerbricht.
Hineingelegtes blüht derweil ans Licht.
Was will ich über Scherben mich beklagen?
Ein junges Herz im alten Leib zu tragen,
gereifte Frucht empfangen im Verzicht
auf Wohlgestalt, die außen nur verspricht,
bedeutet dankend ernten im Entsagen.“
Bedächtig lächeln schwarze Augenbrauen,
als könnten sie in manche Seele schauen,
mich spürbar an, als lachten all die Runzeln,
umrahmt von weißen Locken, frei gelassen,
als wollten sie den Frühling nicht verpassen.
Zufrieden seh´ ich mich im Spiegel schmunzeln.
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Die einsame Zypresse
"Vergiß den Mantel nicht! - Wir treffen uns am Bay.
Du frierst so leicht im Wind, bei Nacht am Mondensstein.
Doch sorge nicht, mein Kind. Ich laß dich nicht allein,
wenn auch die Träne bricht am Strand von Monterey."
Du schriebst ihr dies Gedicht. Du reichtest ihr Dein "Stay!"
Sie blieb im Herzen blind. Sie ließ Dich traurig sein.
Vergiß ihr "Ja", geschwind! Verlier Dich nicht am Schein,
auch wenn´s im Innern sticht, ertanze Dir Dein "Sway!"
Zypresse, sing Dein Lied! Es klingt durch Einsamzeit
ins Land der Zuversicht. Dort wohnt die Phantasie.
Du schenkst dem Wandrer Rast gereifter Schweigsamkeit,
die einst die Nähe mied. Durchdring die Dunkelheit,
Erheb den Blick ins Licht und wage Empathie!
Wirf ab die Gesternlast im heitergrünen Kleid.
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Ein Tropfen Blut
Dem Dornenstrauch, schon welk, verdorrt,
ich ruf´ ihm zu, wohl immerfort,
er solle Rosen tragen;
mal schmeichelnd, lockend, muterfüllt,
mal zitternd, zehrend, ungestillt,
es einmal noch zu wagen.
Und jauchzen möchte froh mein Herz,
erhaben über all den Schmerz:
Du sollst mir Rosen tragen!
So trotzig, töricht wie ein Kind,
vor Ungeduld so tränenblind,
das Wunder zu erjagen.
So küßte ich die Dornenhand
und bettelte, wie traumgebannt,
sie sollte Rosen tragen.
Und von der Lippen weher Glut
gebot ein roter Tropfen Blut,
den Rosen zu entsagen.
o. T.
„Du willst verheilen?“, sprach die Narbe zu der Wunde,
die alt geworden neue Risse sich geschlagen.
„Gedenke bei dem Schmerz des Lebens schönster Stunde,
bis hierher hat sie prägend Lasten mitgetragen.
Und sind´s nicht beide, die als Narben manchmal weinen,
die Tränen dann im Krug „Erfahrung“ zu versiegeln?
Ein neues Reißen heißt, sie beide zu verneinen,
sich gegen nicht mehr Änderbares aufzuwiegeln.
Du suchst nach jenen Pfeilen, die verletzen,
den Bogen Dir im Geiste zielbewußt zu spannen,
die Wut zum wahren Bogenschützen neu zu wetzen,
erneut zur Heilung Hingewandtes zu verbannen
und zwingst Erinnern, selbst sich strafend zu vergessen,
als müßte Leben die Erfahrung ausradieren,
Gefühltes im Verstand gefesselt zu erpressen. -
Im Nähe-Meiden umso tiefer Wunden spüren
bedeutet doch, ein Heilen gar nicht zu erlauben.
Verletzbar-Bleiben meint doch, Nähe zu berühren,
um trotz der Wunde an Vertrauen noch zu glauben.“
Mit Gemüt
Festzuhalten, zu erzwingen,
was schon abgestorben war,
wird dem Menschen kaum gelingen,
denn es stellt ein Klagen dar.
Loszulassen heißt verändern,
fordert Willen und Gemüt.
Diese beiden guten Freunde,
singen meist ein frohes Lied.
Tango













