Im Begreifen
Bevor Du jemanden verletzt,
erinner´ Dich der tiefen Wunde,
die jemand, den Du hoch geschätzt,
Dir zugefügt. Und dann erkunde,
wie lang sie schmerzte, Tag und Nacht,
wie jede Blüte schwarz sich weinte,
wie gar verbittert sie gemacht,
Zerbroch´nes dennoch nicht vereinte.
Vielleicht vereint es sich ja erst,
nachdem Du Dein Motiv erkanntest,
bevor Du jemanden verletzt,
die Tiefe Deines Weh´s benanntest,
um dann zu sagen: „Nein, ich will
verletztes Wort für mich behalten.“
Du tust´s für Dich, bewußt und still,
wo jene Wunden Dir einst galten.
Es ist, als ob „man“ sich vergibt.
Ein Atmen will die Seele streifen,
als ob der Schmerz, der Dich betrübt´,
beginnt zu heilen im Begreifen.
o. T.
Übermütig wilder Strom,
lautes Brausen blinder Wellen
Überfluß im Glück - Syndrom,
übertreibend zu zerschellen.
Kurz gespürt und lang bereut,
viel Gehabtes kaum empfunden.
Schatten übers Sein gestreut.
Träne ungeweint geschunden.
Schlucht gemieden. Grenzenwelt
aus der Ferne furchtzuschmücken.
Illusionen kalt gestellt,
im Gedränge zu erdrücken.
Im gefügten Alltagsschaum,
Nebellichter einzufangen,
deren Übermut im Traum
an die Ufer leicht gelangen.
Ein Gedenken mitgeschleift,
es zu retten beim Versiegen.
Sterben, das ins Leben greift,
sich noch einmal zu verlieben
in des Übermutes Charme.
Ohne Mut den Kelch zu fassen.
Alt geworden sinkt der Arm
ins Bereuen - ungelassen.
